Wer der Geisterwelt am meisten Opfer bringen kann, erfreut sichnatürlich ihrer besonderen Gunst, wird vertraut mit ihr und tritt so schonim Leben halb ins Geisterreich über. Er ist noch bei Lebzeiten eingefürchteter, einflußreicher Mann, denn die Geister tun ihm alles zuliebe,die Elemente gehorchen ihm, und er kann die fürchterlichsten Zaubereienvornehmen. So terrorisiert er das Land, ist Häuptling, geht beim Todeals einflußreichstes Glied in die Geisterwelt über und wird selbst verehrt,nachdem er verehrt hat.
Hier setzt nun die Suque ein, welche die Machtabstufung desJenseits auf das irdische Leben übertrug und die Zahl der Gradesowie die Art der Graderhöhung genau geregelt hat. Sie hat auf jederInsel die Norm geschaffen, nach der man im Rang steigt, um dannmit diesem in die Geisterwelt einzutreten.
Wahrscheinlich hat sich die Suque aus einer der in Melanesien so weit verbreiteten geheimen Männergesellschaften entwickelt, vondenen später noch gesprochen werden soll.
Opfertier ist das Schwein. Daß es gerade das Schwein ist, magwohl dadurch erklärt werden, daß es das größte Säugetier der Inselnist, weshalb dessen Opferung den beredtesten Ausdruck der Verehrungdarstellt; es wäre auch möglich, daß das Schweineopfer an die Stellevon Menschenopfern getreten ist.
Die Suque ist die Vereinigung aller Männer, die Schweine ge-opfert haben. Sie ist sozusagen eine internationale Gesellschaft, dieaber in zahllose kleinere Gruppen zerfällt, nach Distrikten und Dörfern.Sie ist das einzige Mittel, um sich das Glück im Jenseits zu sichernund zu Macht und Reichtum auf Erden zu gelangen. Wer nicht zurSuque gehört, ist ein „out-cast“, ein Mensch ohne Bedeutung, ohneFreunde, ohne Schutz der Himmlischen. Wer nicht ein „out-cast“ undallen Mißhandlungen und dem Spott der anderen preisgegeben sein will,muß also der Suque beitreten. Sie ist der Ausdruck von Machtbedürfnisund tiefer Religiosität, und so ist es verständlich, warum die Suque diesealles überragende Bedeutung im Leben der Eingeborenen einnimmt.
Meist tritt schon der kleine Knabe der Suque bei, indem seinOnkel mütterlicherseits ein Schwein spendet, das im Namen des Knabengeopfert wird, nachdem dieser es mit der Hand berührt hat. Damitist dem Knaben der Eintritt ins „Gamal“, das Klubhaus der Suque,gestattet. Er arbeitet sich nun hinauf von Grad zu Grad, indem erunzähligen Festen und Zeremonien beiwohnt, endlose Gespräche überdie Hauerschweine führt, Schweine entleiht, kauft, verleiht und opfert.Die Zahl der Grade ist in den einzelnen Gebieten verschieden, inAmbrym sind deren 12, in Venua Lava 20, in Aoba 4.
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