Es sind auf diese Weise fast alle Eingeborenen den Männern hohenGrades verschuldet, von deren gutem Willen abhängig, und die Häupt-linge ihrerseits erreichen fast alles, was sie wollen, indem sie auf ihreSchuldner einen Druck ausüben. Die Männer höchsten Grades auseinem Distrikt schließen sich meist zusammen; sie sind die Hohen-priester, die die Feste ansetzen und entscheiden, ob einem Kandidatendie Graderhöhung zu gestatten sei. Sie sind allmächtig, bis einer vonihnen die anderen durch noch größere Opfer übersteigt und so derAlleinherrscher wird. Sind keine Grade mehr zu ersteigen, so durchläuftman die ganze Skala nochmals und nochmals und sichert sich dasÜbergewicht in letzter Linie durch die größte Anzahl geopferterSchweine, deren Kiefer in Bündeln oder Reihen aufgehängt zur Schaugestellt werden.
Wenn nun diese „Häuptlinge“ mit den mächtigsten Geistern inVerbindung stehen und übernatürliche Kräfte haben sollen und deshalbebenso gehaßt als gefürchtet sind, so läuft neben der Suque doch nocheine selbständige Zauberkunst, wie Regen und Wind machen, Giftund Amulett bereiten usw., die von Privaten betrieben wird. Diesesind nach Entrichtung bedeutenden Lehrgeldes bei einem Alten in dieLehre gegangen und geben ihre Kunst gegen Bezahlung an hoffnungs-volle Jünglinge weiter.
Die Frauen haben auch eine Suque, doch ist sie von der derMänner völlig getrennt, und ihre Grade sind leichter zu erlangen;immerhin erfreuen sich Frauen hohen Grades auch bei den Männerneines gewissen Ansehens.
Eigentliche Häuptlinge gibt es in den nördlichen Neuen Hebridennicht. Vielmehr sind die Männer des höchsten Grades die Häuptlinge,und sie haben je nach ihrer Persönlichkeit sehr großen Einfluß, auchin Sachen des äußeren Lebens. Sie scheinen zwar nicht befehlenzu können, wirken aber mittelbar durch Drohung und Ermunterung.Nach außen allerdings entscheidet die Versammlung der Suque.
Erblich ist, wie aus dem Vorstehenden leicht ersichtlich, dieHäuptlingswürde ebenfalls nicht, doch erreichen die Söhne oder viel-mehr Neffen der Männer hohen Ranges meist selbst hohen Rang, dasie in der Karriere durch die Suque von ihren Vätern oder Onkelnkräftig unterstützt werden können und so in einem jungen Alter ofteinen Rang haben, den andere erst im späten Mannesalter erreichenkönnen.
So haben sich aristokratische Familien entwickelt, die sich besserals die übrigen dünken und sich nicht gerne mit anderen mischen.Es wird dies teils schon dadurch verhindert, daß die Mädchen aus
79