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Südsee, Urwald, Kannibalen : Reisen in den Neuen Hebriden und Santa-Cruz-Inseln / Felix Speiser
Entstehung
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schmiegend, mit tausend Wurzeln das fremde Leben saugend, undwieder andere in verzerrten Krümmungen in der Luft sich ver-schlingend, wie kämpfende Schlangen. Und das alles wächst und ge-deiht auf den Leichen vergangener Geschlechter, auf dem moderigfeuchten Boden, wo Blätter faulen und morsche Stämme zerfallen,wo es immer feucht ist, weil nie ein Sonnenstrahl hineindringt.

So ist es traurig im Urwald und unheimlich ruhig wie in einemFriedhof, denn auch der Wind vermag nicht in sein Inneres herab-zudringen. Rauschend fährt er über die Wipfel hin, wo man manch-mal hellgelb die Sonne scheinen sieht, so daß man zum Licht undzur Luft aufblickt wie aus einer engen Schlucht.

Wie Männer im härtesten Kampfe schweigen und alle Kraft anseine Ziel setzen, so fehlt auch hier, in dem verbissenen, zähen Kampfejede Äußerung frohen Lebens, es fehlen Blumen und Farben. Endlosvertieft sich das dumpfe Grün ohne Abwechslung, nur in ewiger Ver-änderung der Formen.

Selbst die Tiere scheinen die dunkle grüne Tiefe zu meiden.Auf den höchsten Bäumen baden in der Sonne einzelne Tauben, fliegenschwer auf und streichen über die Gipfel, und fernher, wie aus einemanderen, leichteren Elemente, tönt ihr Lockruf, matt, melancholisch,wie im Fiebertraum, der auch uns zu bedrücken scheint.

Ein verlorener Falter huscht irrend zwischen den Stämmen, einfeines Wesen, das dieser Welt fremd ist, das in verbotenem Leicht-sinn aus der Sonne ins Dunkel sich gewagt hat und nun vergebensnach einem Auswege sucht; hier und da grunzt ein unsichtbaresSchwein auf, und von seiner koboldartigen Flucht zeugen das Brechender Äste und das Rascheln des Laubes.

Feuchtigkeit und unheimliche Dumpfheit schweben über demmorastigen Boden; man würde sich nicht wundern, wenn er sich plötz-lich bewegte und ringelte, als ob ekel-schleimige Schlangen, eng ver-knotet, durcheinander glitten. Dornen haken sich in die Kleider,tückische Schlingpflanzen legen sich um die Füße, und ein spitzesHohngelächter versteckter Gespenster zu hören, würde den Stolperndennicht überraschen.

In der feuchten Hitze fühlt man sich müde, gequält, unruhig, wiein gefährlicher Gegend, man ist einsam und folgt fast verzagt demFührer, der lautlos auf dem weichen Boden schreitet und mit einemZweige die unzähligen Spinnennetze vor sich her abstreift, die sonstklebrig und ekelhaft sich aufs Gesicht legen. Lautlos folgt hintenauch die Kolonne, nur hin und wieder bricht ein morscher Ast, oderes knarrt ein Stamm, der sich im Wind an einem anderen reibt.

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