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Das Erſte Buch/ Von Kräutern, I
Wer muhttaſſer des Tags zweymal in die Augen F
flar Geſicht gethan/ macht ein klar und heiter Geſicht.
Wunden.
Geſchwulſtdes Halſes.
Zaͤpfflin.
B
D
Wermuhtwaſſer iſt auch ſehr dienlich zu den Wun-
den fie zum wenigſten zweymal im Tag darmit geſaͤu-bert und gewaͤſchen/ und laͤſſet kein boͤſen Zufall darzuſchlagen.
Es dienet auch vor die Geſchwulſt des Hals vonkalten Flůſſen/ desgleichen auch zu dem abgefallenenZaͤpfflein/ damit des Tags offtermal gegurgelt.
Von dem Wermuht wein. Abſinthitesſeu Abſinthiacum vinum.
WeErmuhtwein von den Griechen A ¶ uhlanc, von
den Lateinern desgleichen auch Abſinthites undVinum Abſinthiacum genant/ wird auf mancherleyweis bereitet. Der gemeine iſt/ daß man nim̃t aufge-truckneten und wolgedoͤrreten Wermuht/ mit Kraut -Stengel und Blumen den zerſchneidet man/ thut zu-vor eine gute Lege Aeſchern/ Hanbüchen oder Haͤſeln-ſpaͤhn in ein bereites Faͤßlein/ darinn man den Weineinmachen wil/ ind darnach ein Lege des zerſchnittenenWermühts/folgends wiederum eine Lege der obgemel-ten Spaͤhn/ dann wiederum Wermuht/ und ſo fortanbis das Faͤßlein voll wird alsdann ſchlaͤgt mans zu -
und fuͤllet es mit gutem Moſt/ den laͤſſet man daruͤber
verjehren/ und behelt den zum gebrauch. Den Wer-muht laͤſſet man alſo in dem Faͤßlein den gantzen Winster ligen/ und wann man Wein daraus laͤſſet/ ſo fuͤlletman das Faͤßlein alſobald wiederum zu. Wann derFrühling herzu kom̃t, laͤſet man den Wein darvon/thut das Kraut und Spaͤhn hinweg/ butzet und waͤ-ſchet das Faͤßlein ſauber aus/ laͤſſets ein wenig ertrief-fen/ darnach begeuſſet und befeuchtet mans mit einemguten gerechten rectificirten gebranten Wein/ ſchlaͤgetdas Faͤßlein zu/ fuͤllet den Wermuhtwein wiederumhinein/ und geuſſet andern guten Wein zu/ alsdannvermacht man das Faͤßlein beheb/ daß kein Lufft darzukom̃t/ und trincket über Jahr darvon/ ſo bleibet er gutund wolgeſchmack/ bis zum letzten Trunck. Etlich laſ-ſen auch den Wermuht den gantzen Sommer darin-nen/ aber er haͤlt ſich nicht lange/ dann ſo bald die Waͤr-me herbey komt/ fahet der Wermuht an zu faulen/ cor-rumpirt den Wein/ daß er faul/ weich und zaͤhe wird/und alſo gar verdirbt, in Leib fürter vaſt ſchaͤdlich zu gebrauchen.
Andere nehmen duͤrren Wermuht/ waͤſchen den feinſauber/ und thun den in ein ſpitzen wuͤllenen Sack/ dar-nach ſchuͤtten fie Wein darüber/ laſſen den fo offt durch-lauffen/ bis der Wein alle Krafft des Wermuhts anſich gezogen/ und bitter genug worden iſt. Auf ſolcheweis kan man zu jeder Zeit über Jahr auf ein Eil gu-ten Wermuhtwein vor geſunde und krancke Leut ma-chen/ die deſſen vonnoͤhten ſeyn. Desgleichen kan manauch ſonſt von andern Kraͤutern gute Kraͤuterweinmachen/ welches alles in zweyen ſtunden geſchehen kan.
Ein andere Art fuͤrtrefflichen Wermuhtwein aufein Eil. zu machen. hin den oͤberſten Gipffel vomWermuht mit den Blumen/ fuͤl ein zimlich Violglaßdamit über das halbtheil/ alſo daß der vierte Theil leer
bleibt gieß darüber guten rectificirten gebranten Wein
und Malvaſier/ jedes gleich viel/ daß das Glas voll werde/ ſtells in Tag oder vier wol vermacht hin/ fo zeuchtder gebrante Wein und Malvaſier alle Krafft aus demWermuht/ ſeihe darnach den Wein ab durch ein ſau-ber Tuch/ behalt den wolvermacht in einem Glas. Wañdu nun begehreſt ein guten Wermuhtwein zu haben?ſo vermiſch der gemelten Infuſion ein Loͤffel voll miteinem Becherlein voll Weins/ fo haft du alsbald einfuͤrtrefflichen/ fräfftigen guten Wermuhtwein. Alſokan man von andern Kraͤutern/ Wurtzeln und Ges
wrtz in der Eil auch gute kraͤffiige Wein machen/ inmancherley Kranckheiten und Gebreſten ſehr nůtzſich
zu gebrauchen.
etliche Caſſtenrinden oder Mutter zmmat darunter.
Etliche machen den Wermuhtwein alſo: Sie neh-men duͤrren Wermuht/ ein wenig zerſtoſſen oder zer -ſchnitten nach ihrem gefallen/ ſieden den im Herbſt infriſchem Moſt wie er von der Kelter kom̃t/ als viel manwil/ den dritten Theil ein/ und verſchaͤumen den im fiesden ſtaͤtigy laſſen ihn darnach über Nacht ſtehen/ Mor-gens laſſen fie denſelben durch ein wuͤllen Sack lauf-fen/ thun den folgends in ein Faß/ darzu gieſſen fie nochferner zwey oder dreymal fo viel ſůß Moſts/ kleiben einHafen daruͤber wie gebräuchlich iſt/ nñ laſſen den Weinalſo durch einander verjehren. Wann das geſchehen/ſchlagen fie das Faß zu/ und behalten den Wein zurNohtdurfft/ und wann man darab trincket/)ůllet manden mit anderm Wein wiederum zu.
Andere nehmen duͤrren Wermuht ein wenig zero
G ſchnitten/ hencken den in einem leinen Saͤcklein in ein
Faͤßlein/ zwiſchen Hanbuͤchen/ Aeſchern oder HaͤſelenSpaͤhn/ und füllen das Faͤßlein mit gutem ſüſſen Moſt⸗/daß es das dritte Theil leer bleibet/ darnach füllen fie esmit geſottenem Moſt zu/ und laſſens alſo verjehren/ und
thun wie obgemelt.
Es iſt auch der Wermuhtwein bey den Alten ſehr imbrauch geweſen/ die denſelben auch auf mancherleyweis bereitet haben. Pedacius Dioſcorides beſchreibtſuͤnfferley Manier den Wermuhtwein zu machen. Et-liche nehmen xxiiij. Maß oder ein Elſaſſer Ohmen austes Moſt/ Bergwermuht ein Pfund, vermiſchen daswol durch einander/ und laſſen es ſieden bis der dritteTheil ein geſorten iſt/ darnach gieſſen fie darzu auf zwoElſaſſer Maß Eſſigs/ das find viij. Pfund/ und noch
H ein halb Pfund Wermuht. Wann fie nun ſolches alles
wol durcheinander vermiſchet haben/ gieſſen fie es in einander Gefaͤß und wann ſich der Wein geſett und lau-ter worden iſt/ fo laſſen fie den ab und ſeihen ihn durch.
Etliche nehmen xxxij. Loht geſtoſſenen Wermuht/binden den in ein duͤnn leinen Tuch/ und hencken dasin xv. Maß Moſts/ und laſſen den zween Monat langdarinn weichen..
Etliche nehmen vij. oder viij. Loht Wermußt/ Syri-ſcher Spicanarden/ dimmatrinden/ Caſſien oder Mut-ter⸗Zimmatrinden/ die Blumen des Kameelhews/wolriechender Indianiſcher Calmusroͤhren/ der Rin-den von der bluͤhenden Frucht des Dattelbaums/ derenjedes iiij. Loht/ dieſe Stück ſtoſſen fie in einem Moͤrſer⸗/darnach thun fie es alles in xxiiij. Maß Moſts/ verſtopf-fen das Faß/ und laſſens zween oder drey Monat dar-inn/ darnach fo ſeihen fie den Wein ab in andere Faͤſ-ſer/ und bewahren den.
Die andern nehmen des Bergwermuhts xl. Loht/Marien Magdalenenblumen xiiij. Loht/ und binden diezuſammen in ein leinen Tuch/ und hencken das in xxiv.Maß neuen Moſt, und nach viertzig Tagen laſſen fieden Wein ab in andere Faͤſſer.
Die andern thun in ſechs Maß neuen Moſt/ xxiiij.Loht Bergwermuht/ und ili. Loht Kuͤnhartz⸗uaͤber zehenTag ſeihen fie den Wein durch und ſetzen den verwahr-lich hin. Hie iſt zu mercken/ wann den Alten unſereWeiß und Manier die Kraͤuterwein mit den Hanbuͤ-chen oder Haͤſelen Spaͤhnen ein zumachen bekant gewe-fen wäre hätten fie ihren Kraͤuterwein nicht alſo wie
K gehoͤret/ duͤrffen von den Kraͤutern durchſeihen, fintes
mal dieſelbige alſo mit den Spaͤhnen auf unſere Weisbereitet/ in kurtzer Zeit/ ſchoͤn/ hell und klar werden, und
ſeynd auch ſolche Wein viel anmuͤhtiger und lieblicherzu trincken/ als die durchgeſigene.
Der Chriſtliche Keyſer Conſtantinus Quartus,macht den Wermuhtwein in feinem viij. Buch, vondem Feldbau alſo: Er nim̃t ij. Loht des Bergwer-muhts/ zerſchneid den/ und bind ihn in ein rein důñ lei-nen Tüchlein/ und henckt ihn in xv. Maß Moſts. Etlich(wie hohgemelter Keyſer an gedachtem Ort anzeigt)nehmen nur halb fo viel Wermuht/ fie vermiſchen auch Aetius