Vorrede.
Ferners aber/ die Notturfft dieſer Kunſt betreffend/ was ſoll man dar von ſagen. Der Menſch iſt zwar vonſtarck/ gerad und geſund erſchaffen: Aber durch die ſundliche Vbertrettung des Verbotts/ iſt er in allerley g.und Jam̃er gerahten/ alſo daß kein Creatur under dem Himmel mehr Schwachheiten under worffen iſt/ p.der Menſch. Darum weil in Abwendung und Heilung derſelbigen/ die Natur offtmal zu ſchwach: 6 biArtzneyen ihr zu huͤlff zu kommen. Welches alles bey jederman ſo bekandt iſt/ daß es unnoͤthig/ darbon Won h.
ter zu melden.| 6Gleicher weiß iſt auch maͤnniglich bewuſt/ was für einen trefflichen Nutzen man von der Artzney zu gehalt.Dann fo weit ſich die Geſundhelt erſtrecket/ ſo groß iſt auch die Nutzbarkeit der Artzney. Durch Kranckhajten 9|alles was Namen hat/ zerſtoͤret und zerrůͤttet: Des Menſchen Geſtalt verandert ſich ſcheußlicher weiß bob;ihn offt nicht mehr erkennen mag: Seine Kraͤfften fallen dahin: Der Leib wird graufam und Tyranniſch.tert: Luſt und Liebe/ Freude und Wolluſt verſchwinden gantz und gar/ dargegen iſt nichts dann ach unzvc,Traurigkeit von wegen des gegenwaͤrtigen Zuſtands/ und Forcht wegen des zukůnfftigen: Das gantze.handlen des krancken Menſchen ligt darnider. Iſt nun nicht eine groſſe Notturfft ſolches alles abzuwenden nn.den Leib wieder zu voriger Geſundheit zu bringen? Dann wer wolte nicht lieber tauſendmal todt ſeyn/ alzi folchem Elend heharꝛlich ſtecken? ö|Derohalben/ aus Erwegung angeregter Puncten haben vorzeiten die Alten, den Aertzten gleichſam Got ihEhre erzeiget: Die Artzney/ als den theureſten Schatz/ allem Gelt und Gut vorgezogen: Dieſelbige gan cht -hoch und wol gehalten. Alſo ſeynd dem alten Hippocrati zu Ehren/ da er gen Abderas zu dem unſtnnigen Demo-crito beruffen worden/ nicht allein die Bürger/ ſondern auch Weiher und Kinder, jung und alt/ entgegen gange/ihn für einen Gott/ und Beſchuͤtzer des Vatterlands gegruͤſſet/ und mit Frolocken empfangen. Die Alhenienſehaben ihm Königliche Schauſpiel und Triumph laſſen halten ihm ein guldene Kron auffgeſetzt/ auch eine Guzu ewiger Gedaͤchtnus/ auffrichten laſſen. Der König Bbrolomæus, hat dem Eraſiſtrato, da er ſeinen Sohn gend.gemachet/ soooo. Cronen geſchencket. Der Keyſer Auguſtus hat dem Antonio Muſæ eine guͤldene Saͤule zu Chicſetzen laſſen. Desgleichen auch in weß Ehren ohnlaͤngſt Jacobus Cotterius in Franckreich am königlichen ffund Petrus Aponus im gantz en Welſchland geweſen/ iſt noch bey jederman in friſcher Gedachtnus.Dieweil dann bishero genugſam erwieſen/ was für ein fuͤrnehme, herrliche/ alte/ nohtwendige und nugſicKunſt die Artzey ſeye: Iſt wol zu erſinnen/ wie hoch diejenigen zu halten/ ſo in ſelbiger Kunſt Erweiterung figmuͤhlich bearbeiten. Dann fie iſt gewißlich ein unerſchoͤpffliche Brunnenquell/ die nimmer gar aus geforſchet/ jgenugſam heraus geſtrichen mag werden. Obwol von den Uhralten/ auch andern hernachkommenden zu ſehet et/ereffentlich viel und mancherley geſehen/ erfahren/ erlehrnet⸗ geůbet und auffgezeichnet iſt worden/ deffenmandenlieben 6 Ott und ihnen nicht gnug dancken kan: Jedoch haben fleiſſige und gelehrte Leuth allezeit bis.auffgegenswaͤrtige Stund/ noch etwas weiters erfunden/ das entweder nicht vollig erörtert/ oder gar unbekandt ihnen iu cnkundigen/ verblieben. a. öAlſpo/ daß wir zu unſerm Zweck/ und vorgenommenen Werck ſchreiten/ wie wol unlaͤughar iſt/ daß in Beſchte|bung der Kraͤuter/ von den Alten groſſe Muͤhe und Koſten find angewendet/ und von ihnen derſelbige Theil deArtz ney fo weitlaͤuffig und herzlich ausgeführt worden/ daß man unmöglich, oder unnoͤhtig haͤtte mögen verme-
nen/ etwas beſſers und richtigers/ oder auch mehrers dar von zu ſchreiben. So zeugen doch die gewaltige Buche|
ſo zu dieſer unſerer Zeit an Tag kommen/ daß man in der Kraͤuterey viel weiter fortgeſchritten/ in dem man nochviel Kraͤuter/ Standen/ Hecken/ Baͤum /ꝛc erfunden/ darvon die Alten nichts gewuſt: Auch der bekanten Simplicien Kraͤfften und Wuͤrckungen mehr und vollkommlich erfahren/ und beſchrieben.,So dann nun gegenwaͤrtiges Kraͤuterbuch/ wie ſich der Leſer guͤnſtig weißt zu erinnern/ vor etlichen Jaht h/
von dem Ehrenveſten und hochgelehrten Herren Doctore Jacobo Theodoro Tabernæmontano, ſeliger Gchachtnus/ mit groſſem Fleiß und Muͤhe beſchrieben/ dem guͤnſtigen Leſer vielerley hochbewehrte vortreffliche Arhney-Stuͤck vor Augen geſtellet/ und nunmehr wiederum von Herren Nicolao Baſfæo gemeinem Vatterland zin beſten und Nutzen in Truck angeordnet/ habe ich daſſelbe zu revidiren/ mich bewegen laſſen/ auch zu ſolchem Ende/das gantze Werck mit groſſem Fleiß erſehen verbeſſern/ und mit vielen vortrefflichen Experimenten/ ſo wol aichvielen neuen/ fremden und einheimiſchen Kraͤutern vermehren/ und hierinnen der lieben Poſteritel bedienlich|eyn woͤllen..— 6z Vnd find zu ſolchem die aller vortrefflichſte/ beruͤhmteſte und bewaͤhrteſte Scribenten/ als da ſeyn Hippocti-tes, Galenus , Aretæus , Aerius, Oribaſius ,& gineta. Cornelius Celſus , Dioſcoricles, Matthiolus , Ruellius i'ſius, Lobelius , Dodonæus, Camerarius , Fuchſius, Tragus, Lonicerus , Falloppius, Fernelius, Meſues, Garcias abHorto, und andere mehr/ fo zu uͤberkommen muͤglich geweſen/ an die Hand genommen/ eroͤrtert und gebraucheworden. So viel den Authorem ſelbſt anlangen thut, obwol derſelbige(wie zu geſchehen pfleget) von etlichendieſes Buchs halben angefochten wird/ muß ich doch bekennen/ daß er ein herꝛliches und flrcreffliches Wetck bobe angefangen/ in dem er ſich allerley Simplicien aller Authorum in ein corpus beyſammen zu bringen undtt-
anden. S A,; Vnd wil hiermit den gůnſtigen Leſer zum fleiſſigſten gebetten haben/ er wolle dieſe meine Arbeit ⸗ und Sich 6Ich hierinn angewendet/ zum beſten auff und annemmen. Vnd thue mich auch demſelbigen allezeit Befehlen
Darum Marpurg den XXIV. Auguſti, Anno MD XC I.