Das Ander Buch/ Von Kraͤutern.
Al Innerlicher Gebrauch.Es wird die Paͤonien ſehr gerühmt wider die Ge-breſten des Haupts und des Hirns, fuͤrnemlichFülblicht aber wider die Fallendſucht/ wie Galenus , bezeuget.Aber bey den alten findt man nirgends/ daß fie diePaͤonien innerhalb den Leib wider dieſe ſchwaͤreRKranckheit gebraucht haben:; jedoch fo gibt die lange
Erfahrung/ daß nicht allein dieſe Wurtzel und Koͤr-ner gut ſeyn/ ſondern auch der Safft und Waſſer auß
den Blumen darzu dienſtlich ſeyen.
Daher pflegt man den Kindern mit Kirſchenwaſſerein Milch auß dem ſaamen zu machen/ und mit ande-ren nothwendigen dingen vermiſchen/ welche wieder
\
Frlflich der das Fraißlich kräͤfftig it. Andere nemen die Koͤrner/
inn ſaͤubereng fleiſeig von der euſſerſten Rinden und maschen mit Zucker oder Honig lin Lattwerge/ und brau-chens für ein Praͤſer vattv wider gemelte Rranckheiten.Es ſoll aber die Wurzel gegraben werden im Fruͤ-ling in abnemenden Mond: an dere graben/ wenn dieSonn im Löwen iſt/ darzu am Tag und Stund derSonnen/ in abnemmen dem Mond..Wider das Fraͤſel der jungen Kinder/ ſoll mannemmen der Wurzel und ſaamen der Paͤonien jedesein Quintlein/ Seſel/Aniß / und weiſſen Kimmel jedesein halb Quintlein/ Eichenmiſtel ein Quintleln/ dieſeStück ſoll man zu einem ſubtielen Pulver machen/mit Zucker vermiſchen/ und den Kindern ein Quint-lein ſchwaͤr mit Milch eingeben..So aber den Kindern das Fraͤſel von Würmen6 herkaͤme/ welches dann offt geſchicht fol man nem̃ender Wurtzel und Korner der Paͤonien jedes ij. Quintl.Wurmſamen zwey Quintlein/deß beſten Rhabarbariij. Scrupel/ weiſſen Zucker zwey Umntz/ dar von fol manauch ein ſubtieles Pulver machen/ und den Kindernin der Wochen ein mal oder zwey mit einem Loͤffeldarvon eingeben/ entweder mit Milch oder einem an-dern Brüͤhlein/ ſonderlich wenn der Mond abwiſ̃t.Es beſchreibet auch Mercurialis ein Pulver widerdas Fraͤſel der jungen Kinder/ ſo noch an der MutterBruſt hangen/ nemlich alſo: Man ſoll nemmen derPaͤontenkoͤrner ein halben ſerupel/ Staechasblumenund Bethonienblumen ein halben Pugillum/ Galgantein Scrupel/ die Stück ſoll man allzumal zu einemD ſubtielen Pulver machen/ darvon(öl man etwas inein koͤffelein thun/ und dem Kind in Mund bringen/darnach ſoll man es alſobald darauf ſaugen laſſen/darmit das Pulver in Leib komme. öWenn in den erwachſenen Kindern das Fraͤſelnicht wolte nachlaſſen/ fo ſoll man das Frantzoſenholtin Bethonien waſſer ſieden/ und ein par Quintlein/oder mehr nach Gelegenheit Paͤontenkoͤrner darzuthun, deßgleichen auch Eichen miſtel und Cokiander/und einen Syrup darauß ſieden/ darvon man denKindern geben fol. Es geben etliche für/ es muß dieſeWurzel zu einer gewiſſen Zeit gegraben werden/ ineiner ſonderlichen Conſtellation des Himmels/ wenndie Sonn im Loͤwen ſeh/ darzu auch am Tag und inder Stund der Sonnen: Über das ſö ſey das Maͤnn-RF lein viel fraͤfftiger dann das WeibleinEs meldet Matthiolus , wenn man ein halb LothBibergeil und drey Handvoll Paͤonien in vier Pfundweiſſen Wein ſtebe/ und alsbald ein Kind auß Mitterleib komme/ daſſelbige ſo hald in diß Bad NO 9.(n dem gantzen Leib waſche/ ſo ſoll es fuͤr der Fallend-nicht ſucht ſicher ſehn Und meldet daß dieſe Kunſt an achtKindern ſ einer Mutter] ſeye bewaͤhtt worden/ außwelchen die ij erſtẽ am Fraͤſel geſtörben ſeyn/ an wel-chen man dieſe Attney nit gebraucht hat: Die andereaber/ denen dieſe Attzney if gethan worden, ſeyen allevor dem Fraͤſel gefreyet geweſen. In ſumma es wirddie Paͤonia gelobt und geruͤhmet/ daß ſie tota ſua ſub-ſtantia wider das Fraͤſel oder Fallendſucht gut undnntzlich ſey-
Krafft habe die verſtan dene menſes wiederum̃ã zu et Weiber tet.
holen/ einer Mandel groß zu Pulver gemacht und in
Honigwaſſer getruncken/ mit Wein in der groͤſe ei enner Keſten eingenom̃en/ reiniget die Weiher nach der he D.Geburt: lindert auch den Wehetagen des Bauchs.]
Er meldet auch/daß fie die berſtopffte geber und rie, Br toyffteren/ eroͤffne/ dieweil fie etwas ſcharpff und bitter ſey/..daher auch Plinius und andere ſchreiben/ daß fie nutz, Gerl ucht,lich gebraucht werde wider die Geelſucht. Dioſcoridesſaget, daß zehen oder zwoͤlff der rothen Koͤrner in her -ben ſchwartzen Wein getruncken/ ſtopffe den übrigenrothen Monatfluß der weiber: und ſeyen dieſelbige Monagtfluß.Körner gut den Magenſuͤchtigen/ fo nichts bey ſichbehalten koͤnnen/ was ſie eſſen oder trincken.
G Mit ſüſſem Wein getruncken/ ſeyn fie gut wider die Nieren und
ſchmertzen der Nieren unnd der Blafen. I So man die lj.Körner den Kindern zu eſſen oder zu trincken gibt/laſſen fie den Stein in ihnen nicht wachſen.]kFernelius ſchreibt/ daß fie zu gebrauchen ſeyn wider Incubus,den Incubum das iſt/ wenn einer meynt/ daß er im.Schlaff von jemand getruckt werde und kein Athem det Mutter.haben kan: Darfitr man fünffzehen der ſchwartzenKoͤrnet in Wein trincken ſoll/ wie Dioſcorides mel.det. Es meldet auch Fernelius, daß die Wurtzel oderdie Körner j. Quintleins ſchwaͤr] im Wein getrun-cken/ gut ſeyen wider das auffſteigen der Mutter dar-von die Weiher in Ohnmacht fallen.JBSalenus ſagt/ wenn man die Wurtzel in ſaurem Bauch ſtopf-Wein ſtede/ und davon trincke ſo ſtopffe fie den Bauch. ſen.
*
H L So man der Korner dreyſsig nim̃t/ dieſelbigen Verlohrnie
ſchelet/ zu Pulver ſtoͤſſ/ und im Wein zu trincken.
gibt/ bringen ſte die verlegene Sprach wie berum̃/ die,“
nen auch wider das Gift.Euſſerlicher Gebrauch.
CS ſeyn viel Leut der Meinung daß wenn man den Fraͤſel der
Kindern die Wurtzel oder die Koͤrner an den Hals Eieucht
hencke/ſollen ſie von dem Fraͤſel frey fehlt welches auch
Fernelius bezeugt/ und auch Galenus ein Exempel
erzehlt mit einem jungen Knaben/ welcher gantz und
gat von der Fallendſucht iſt gefreyet geweſen/ wenn er
die Wurtzel am Half getragen hat/ fo bald er aber dies
ſelbige von ſich abgeleget, iſt er gleich in die Schwache
heit gerathen/ welche nicht nachgelaſſen/ bi man ihm
1 die Wurtzel wieder angehangen. Es ſollen auch die je-
nige/ ſo mit der Fallen denſucht beladen/ſtaͤtigs an dieſe
Wurzel riechen darzu{ie auch ein wenig Bibergeyl
und Rauten nem̃en follen.—L Selche Wurz auch am Hals getragen, Hertreibl h chtliche
alle nächtliche Geſpenſt/ ſo im Schlaff unruhig tna⸗ Geſpenſs.
chen/ erliche brauchen die Körner darfuͤr ˖⸗ K
_. Hollerius ſchreibt/ man ſoll nemmen Bertram/ Kallen hſucht
Veielwur zel ind Paͤonienthur el jedes i. Serupel/
darauß ein Pulver machen und den etzigen in die
Naſen blaſen fo die Fallendſucht haben/ ſo twer den fie
durch das Nieſſen wieder um̃ erwecket.
Man ſaget auch, fo jemand die Wurzel under ber Ilir.
Zungen halte fo verſtelle[ie das Naſenbluten.
Von PaͤonienwaſſerEs wird auch auß der Paͤonien ein Waſſer ge-brannt/ nemblich von den Rbͤſen und Wurtzeln/Welches auch zu allen etzehlten Gebrechen kan gehrau-chet werden. G 6..Fuͤrnemblich aber betont es den jungen Kinbe, Feislihten wol ſo mit dem Freyßlich beladen feyt;/ man der Kinekan auch ein wenig Schwalbenwaſſer barzu thun/doch alſs/ daß man nemme drei Untz Paͤonfenwaſ-ſer/ und ein Untz Schwalben waſſer/ doch hach gelegen-heit der Perſonen etwas mehr/ ſolche mit einandervermiſchet/ und den Kindern ein wenig eingebe.Es giht auch dis Waſſer eine gige Hernſtaͤrekung/Vu nu ij ij then-