Band 
Erster Band
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XXX

Einleitung

nige zu erlangen, was man will, sondern auf icne Eigenschaftder Seele, daß ihr Wille, würklich ihr Wille sey, und nichtdie Folge des Willens eines andern. Unser Wille ist die Folgedes Willens eines andern, auf dreyerley Art: Erstens, weiluns Noth oder Zwang widerfahrt; daraus folgt der gezwun-gene Wille. Zweytens, weil Veranstaltungen von Seitenandrer Menschen, einen Einfluß auf unsern Willen haben;daraus entstehet der geleitete Wille. Drittens, weil Zufälle,die entweder von Menschen oder von der Vorsehung allein her-rühren, uns auf Gedanken bringen, die nothwendig unfern Wil-len bestimmen; daraus entspringt der zufällige Wille. Wennnun, in unsrer Seele, der Wille so frey wirket, daß wirweder Zwang, noch Einfluß, noch bestimmenden Zufallgewahr werden, so ist die Seele im höchsten Grade frey , unddiesen Grad ihrer Freyheit nennet man Spontaneität. DiesesWort hat man einführen müßen, weil die Meisten den geleitetensowohl als den zufälligen Willen zum freyen Willen schonrechnen, und zwar in Gegensatz des Gezwungenen. Nach ihrerEintheilung , würde also der Wille in den Gezwungenen undden freyen zerfallen, und dieser wiederum in den Geleiteten,den Zufälligen und den Spontaneischcn.

Es giebt Sekten in der Religion, wie auch in der Philo-sophie , die allen spontaneifchen Willen gänzlich verwerfen.Ihre Gründe will ich durch folgendes GIcichniß begrciflichmachen.

Der Wille entspringt aus der Seele, wie jene Quelle ausdem Felsen hervor quillt. Bey trockener Witterung , scheintes, als hätte der Fels die eigenthümliche und wesentlicheKraft Wasser zu erschaffen. Bey nasser Witterung aber bemerkenwir, daß der Regen in die Quelle eindringt, und sich mitdem eigenen Produkt des Felsen mischet. Wir unterscheidenalso das eigentliche Qucllwasscr von dem zugeflossenen Regen-wasser , und nennen das erstere spontancischcs und das letzterezufälliges Wasser. Es treten aber einige hervor, die den Gc.