Band 
Erster Band
JPEG-Download
 

Einleitung.

tung, kann die hohe Gesetzgebung/ bey Berechnung der zu er-theilenden unsichtbaren Macht/ auch den Einfluß des Vorur-teils in Anschlag bringen.

Die fünfte Gattung des Einflusses / ist Einfluß der Gele-genheit. Diesen Einfluß hat / z. B. der Höfling, der Beicht-vater/ alle diejenigen/ die den Monarchen umgeben. Um sichdiesen Einfluß der Gelegenheit zu verschaffen / hat man in denmeisten Republiken die öffentlichen Gastmälcr eingeführt. Auchgewähren diesen Einfluß die engern Kollegien / wo man einan-der öfters und gemeinschaftlicher siehet/ und einander seine Ge-danken bequemer beybringt.

Die sechste Gattung des Einflusses/ ist Einfluß des An-hangs. Zahlreiche Verwandtschaft / Reichthum / und inson-derheit gemeinschaftlicher Eigennutz gewähren diesen Einfluß.Oft auch geben sie denselben/ nur weil man glaubt/ daß sieihn geben werden. Oft widerstehet man nicht/ aus dem Wahn/alle werden sich durch Reichthum verblenden lassen / alle Ver,wandte werden sich zum Bösen zusammen verschwören / alleEigennutzbrüder werden dem Gott der Brüderschaft ihre Pflich-ten aufopfern.

Die letzte Gattung des Einflusses, ist Einfluß des Ver-hältnisses, oder der gegenseitigen Schwäche. Nicht dieAnzahl der Zugeordneten schränkt die Gewalt des Ausübersein/ sondern ihre Unabhängigkeit/ ihre Denkungsart/ und ihreEinsichten. — Bedaurungswürdig sind diejenigen / welchen diestaatsbildende Gewalt keine andere Gattung des Einflusses ge-stattet/ als diese. Dieser Einfluß ist ein Spiel jedes Zufalls.Mitten unter den reinsten und wärmsten Rathsschlägcn für dasallgemeine Wohl/ muß sich der Geist zu eckelhaftcn Berech-nungen erniedrigen; jeder Fortschritt wird gchemmet; was dieeine Hand dort ausführt / muß hier die andere verderben; undam Ende ist doch ihre mühselige Arbeit nichts anders, alsStückwerk.