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Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik / von Friedrich Nietzsche, ordentl. Professor der classichen Philologie an der Universität Basel
Entstehung
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in die Lüfte emporzufliegen. Aus seinen Gebärden spricht dieVerzauberung. Wie jetzt die Thiere reden, und die ErdeMilch und Honig giebt, so tönt auch aus ihm etwas Ueber-natürliches: als Gott fühlt er sich, er selbst wandelt jetzt soverzückt und erhoben, wie er die Götter im Traume wan-deln sah. Der Mensch ist nicht mehr Künstler, er ist Kunst-werk geworden: die Kunstgewalt der ganzen Natur, zurhöchsten Wonnebefriedigung des Ur-Einen, offenbart sichhier unter den Schauern des Rausches. Der edelste Thon,der kostbarste Marmor wird hier geknetet und behauen, derMensch, und zu den Meisseischlägen des dionysischen Welten-künstlers tönt der eleusinische Mysterienruf: »Ihr stürzt nie-der, Millionen!«

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Wir haben bis jetzt das Apollinische und seinen Gegen-satz, das Dionysische, als künstlerische Mächte betrachtet,die aus der Natur selbst, ohne Vermittelung des menschlichenKünstlers , hervorbrechen, und in denen sich ihre Kunsttriebezunächst und auf directein Wege befriedigen: einmal als dieBilderwelt des Traumes, deren Vollkommenheit ohne jedenZusammenhang mit der intellectuellen Höhe oder künst-lerischen Bildung des Einzelnen ist, andererseits als rausch-volle Wirklichkeit, die wiederum des Einzelnen nicht achtet,sondern sogar das Individuum zu vernichten und durch einemystische Einheitsempfindung zu erlösen sucht. Diesen un-mittelbaren Kunstzuständen der Natur gegenüber ist jederKünstler »Nachahmer«, und zwar entweder apollinischerTraumkünstler oder dionysischer Rauschkünstler oder end-lich wie beispielsweise in der griechischen Tragödiezugleich Rausch- und Traumkünstler: als welchen wiruns etwa zu denken haben, wie er, in der dionysischen