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ermangle, also geht darauf unser ernstlicher Befehl, dass du gleich im An-gesicht dieses Schreibens solche Anstalten hei dir zu St. Ursitz machen undverfügen sollst, damit nicht allein bei diesem Jahrmarkt an allen Thoren gute,fleissige Wache gehalten, sondern auch und so lange sich solche Sterbens-läufle einslellen werden, gedachte Wacht continuirt und Niemand, es seie gleichwer wolle, von sterbenden Orten eingelassen werde.“
Man sieht aus diesem Schreiben, auf wie schwachen Füssenanno 1611 noch die Sanitätspolizei stand, dass, obwohl die Pestrechts und links in den Ortschaften um St. Ursitz wülhele, — derBischof schreibt, „dass sie aller Orten eiureisst“ — der Jahrmarktnicht aufgehoben wurde, sondern nur Wachen an den Thoren auf-zustellen waren, die wenig genützt haben werden.
Im Jahr 1629 und 1630 riss die Pest in Basel wieder ein,davon uns ein Schreiben von Bürgermeister und Bath der StadtKeunlniss giebt:
„wassmassen der allgerechte Gott um unsrer vielfachen Sünden undMissethaten willen diese unsere Stadt mit der leidigen pestilenzischen Suchtnun eine Zeit her abermalen ernstlich heimgesucht habe, ist Uno Gnadenunverborgen. Demnach aber Er, der Allmächtige, erwähnte Sucht wiederumdergestalt gemildert, dass wir schon seit etlichen Wochen sehr wenig ver-spüren und jetzt seit 14 Tagen gar Niemand mehr daran verstorben, also wirnunmehr aus seiner göttlichen Gnade guten, reinen und gesunden Luft wie-derum geniessen: also haben wir nicht umhin können, Eure fürstliche Gnadendessen liiemit wohlmeinend zu berichten, daneben dienstnachbarlich zu er-suchen, dass bei so betlianen Sachen die Ihnen angehörigen Unterthauen ihrenGeschäften halber unsere Stadt ungescheut wiederum zu besuchen und wievormals zu gebrauchen erlauben, nicht wenig sie unsrer aller Orten unge-hindert passiren lassen zu wollen.“
Die Seuche scheint nun abgenommen zu haben und einzelneFälle nur hie und da aufgetreten zu sein, bis ein Schreiben desBischofs Johann Heinrich aus Oelsberg an die Stadt Pruntrut , vom4. December 1635 datirl, das Auftreten der Pest in Pruntrut wie-der anzeigt (der Fürst seihst war, wie gewöhnlich, nach Oelsberg geflüchtet). „Uns ist in Wahrheit leid und das Bedauern nichtgering“, schreibt er, „dass der Allmächtige seine Stadt Pruntrut und deren Einwohner dergestalt mit der leidigen Sucht heimge-sucht, dass fast der meiste Tlieil durch schnellen Tod hinweg-genommen.“ Er mahnt dann zur Separation der Kranken; trotz-dem brach die Seuche im Jahr 1636 sogar in seinem Schloss inPruntrut unter seinem Hofgesind aus. Ein Schreiben vorn 12. Okt.1636 befiehlt, dem Landvogt von ßirseck die Häumung des SchlossesBirseck wegen Einreissen der Pest und die Uebersiedlung desVogtes nach Basel und von jetzt an fehlen Notizen über die Seuchebis zum Jahr 1667.