Buch 
Die Pestepidemien im Fürstbisthume Basel / von Dr. Schenker in Pruntrut
(Schweiz)
Entstehung
JPEG-Download
 

Ilerz selbst und die Lungen infiziren, bald sich im ganzen Körperausbreiten. Aber in Wahrheit dringen diese Pestsamen aus dieserBerührung besonders auch durch die Porositäten unseres Körpers,welche stets offen stehen, in den Körper selbst ein, und schreitenvon Theil zu Theil, zuerst von den feinen Arterien und Venenbald zu grössern Arterien und Venen langsam fort, bis sie ohneVerzug das Herz selbst und die Lungen infiziren. Und in 3. Linie,wenn die Ausdünstungen der Haut, welche durch Contagion infi-zirt sind, sich gegen das Herz, die Wurzel des Lebens, zurück-ziehen, infiziren sie dasselbe alsogleich. Und da es dreierlei Haupt-arten des Contagiums giebt, so ist die hauptsächlichste die, welchedurch Berührung geschieht, d. h. durch Berühren oder Anrülirenan die, welche an der Pest leiden, in dem Maasse, dass die Mit-theilung des Uebels nothwendige Folge davon ist, wie wir beifaulenden Birnen und Aepfeln sehen. Und so steht es fest, dassdas Pestgift, dessen eigenstes Characteristicum wie bei keinemandern in bedeutender Anfaulung der Herzsubstanz besteht oderin Faulung des Inhaltes des Herzens, d. h. des Lebenshauchs, nichtallein aus den erstem Eigenschaften entsteht, sondern auch ausdenen zweiter Linie, zum Beispiel, w'ie früher erwähnt worden,aus ungemeiner Fäulniss der Flüssigkeiten und anderer Dinge.Und so theilt sich nicht nur die giftige Eigenschaft mit, sondernauch der faulige Dunst oder Hauch oder die faulende Flüssigkeit:der Dunst, welcher heiss, äusserst fein und sehr haftbar ist, daer so leicht eintritt und sich verbreitet; er ist vergiftet, contagiösund Feind unserer Natur durch sein eigenstes Wesen; der Körperendlich, von welchem ein so gearteter Dunst und eine solcheFlüssigkeit ausgeht, und sich einem andern mittheilt, ist ein krank-machender giftiger Körper oder ein Contagionsherd. Garnerus.Der Fortschritt, der in dieser Theorie in Beziehung auf die Ur-sachen der Pest zu Tage tritt, ist klar: früher war es die Luft,welche von den Gestirnen inßzirt, und welche als krankmachendesAgens betrachtet wurde, und hier sind es faulende Körper, welchedas Resultat dieser Fäulniss als Infectionsstoff der Luft, den Flüssig-keiten mittheilen, durch die Atlimung und die Poren des Körpers inden menschlichen Körper eindringen und das Herz infiziren, alsoeine regelrechte Infektionstheorie, welche wir Neuern allerdingsmodifizirt, aber nicht bei Seite geworfen haben und bis zur Con-