_Lcich-Predigt. _ 9
dmickeii lasten / weift zu seyn. Und so verhält essich auch mit der Stärcke/Macht und Reichthum/dann es halt sich ein mancher für gesund und starck/der doch schwach ist / und nicht das geringste ver-tragen mag/und für reich/der doch ist arm/blind/und bloß. Wie offt geschiehet es nicht / daß einKaussmann sich einbildet / er seye weiß nicht wiereich/ wann er aber eine genaue Rechnung und Bi-lantz machet/ über das was er hat/und was er an-deren schuldig ist/ so findet er/daß er nicht nur nichtreich seye/ sondern nicht einmal zu bezahlen hab.
Und was andere anlangt/ so ist bekannt / daßnichts betrieglicheres seye als der Menschen Urtheilvon einander / dann entweder urtheilen sie von Sa-chen / die sie nicht verstehen / oder von Persohnen/die sie entweder gar nicht / oder doch nicht genugsamerkennen / oder sie urtheilen nicht nach der Warheitund nach ihrer Erkanntnuß/ sonder außkallion,Schmeichelet)/ weltlichem Imere/Is, äußerlichemAnsehen / oder anderen dergleichen Sachen/darauffman kein sattes Urtheil gründen kan/ als auß denAempteren/diedie Persohnen tragen/und auß denTituln / die man ihnen deßwegen giebet/ da dochdie Erfahrung bezeuget / daß man gar offt LeuthenAempter und Titul giebt/ die sie keines Wegs mo-ntieren. Folget derowegen nicht / daß wann einersich selbst für weiß/ starck und reich haltet/ oder vonanderen für einen solchen geachtet und gepriesen wird/daß er darum in der That und Warheit ein solcherseye / und kan also auch niemand seinen Ruhm dar-Kliss gründen.
Über dieses / so seynd auch alle diese irrdischeB und.