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Der fünfte Herbstmond.
ZOO. ^01.
Geb. Richelieu (izZz) und Ludwig der rgte (i6;8)
2)ie Liebesbegebenheit der Anna von Oesterreich mit einemteutschen Edelmann ist wohl freilich ein Historischer Roman.Jndeßen ists doch anzumerken, daß Ludwig und der Vor-mund seines Vaters an einem Lage geboren wurden.
Ludwig dem i-zten haben wir schon seinen Lag zugetheilt,(den i. Herbstm.) den heutigen widmen wir also dem Kar-dinal.
Wenn die Macht eines Staats dadurch zersplittert wird,daß die Großen des Reichs mehr find, als nur die ersten Un-terthanen , so verdient Richelieu freilich LhrensLulen. Ab-gerechnet die oft zu gewaltsamen und unmoralischen Mittel,Lurch die er seinen Endzwek erreichte, bleibt ihm das Ver-dienst nm Frankreich allezeit, daß er die königliche Macht inder Person des Königs koncentrierte, die inneren Gährungendampfte, den Grund zur Handlung legte, das Reich gegenseine Nachbarn verwahrte, die Einkünfte erhöhete, da§Kriegswesen in beßere Ordnung brachte, und auch den Florder Wißenschaften durch Stiftung der französischen Akade-mie beförderte. Sein großes, alles umfaßendes Genie,seine Stsndhafligkeit und Beharrlichkeit, seine tieft Men-schenkenntnis und andere große Eigenschaften, die ihn zumHerrschen berechtigten, werden immer von der Nachweltbewundert werden, indeßen sie seine Grausamkeit gegen dieGroßen verabscheut, seine Intoleranz verwünscht, seinePolitik, sich dem schwachen Ludwig durch immer angezet-telte neue Händel nothwendig zu machen, verachtet, und