Der ausgedehnte Besitz, den die benachbarten burgundischenKönige im Eisass hatten (in zwei Landkomplexen: von Ersteinlandaufwärts über Schlettstadt und Colmar bis an die Vogesen und im Norden beim Heiligen Forst), gab ihnen die einfluss-reichste Stellung im Lande; vielleicht hat er sogar die Verleihungherzoglicher Würde zur Folge gehabt. Wenigstens führt KönigRudolf von Burgund den Herzogstitel.
Ebenso scheint Herzog Herman von Schwaben für seine,vorhin geschilderte, Gewalttat damit gestraft worden zu sein,dass das Eisass von seinem Herzogtum Schwaben losgerissenwurde. Die Herzoge von Lothringen führen im elften Jahrhun-dert den Titel eines Herzogs im Eisass; wir denken hiebei anihre Verwandtschaft mit dem Nordgaugrafen Gerhard, der imWahlkampfe Partei für Heinrich II. ergriff und, wie der Chronisterzählt, als Belohnung eine Grafschaft des Herzogs Hermanerhielt.
Zuverlässiges lässt sich nicht sagen. Auch durch die Ereig-nisse, die sich an die Person des Herzogs Ernst von Schwabenknüpften, ist das Eisass nur einmal berührt worden: im Jahre1026 wurde es durch Herzog Ernst, anlässlich seines zweitenAufstandes, verwüstet.
Im Jahre 1057 kam das schwäbische Herzogtum an GrafRudolf von Rheinfelden , im Jahre 1079 aber an Friedrich von Staufen . Damit wurde die Stellung des Herzogs im Eisass eineandere.
Wie die Bischöfe zu Fürsten werden, sehen wir in diesemJahrhundert immer deutlicher, bei Basel und bei Strassburg .Aber umso weniger waren sie Theologen; die Zeit der gelehrtenBischöfe war vorbei. Damit sank allerdings ihr Einfluss auf dieEntwicklung der Kirche. Aber im gleichen Masse stieg der Ein-fluss des Mönchtums.
Auch bei den Klöstern ist das Wachstum äusserer Machtwahrzunehmen. Sie erwerben Land und Leute, Marktprivilegien,Zollstätten, Münzrechte, Grafschaftsrechte. Alle Abteien wett-eifern mit den Bistümern sowohl in der Ausdehnung des Grund-besitzes als in der Zahl der dienstpflichtigen Mannschaft. Sohaben z. B. im Reichsaufgebot des Jahres 980 die Abtei Murbach zwanzig Gepanzerte zu stellen, soviel wie das Bistum Speyer, die
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