beschriebe, Aufzeichnungen und Weistümer von geistlichenGrundherrschaften des Elsasses. Diese sind alle entstanden inder ersten Hälfte des zwölften Jahrhunderts nach dem endlichenAusgange des langen Investiturstreites mit seinen Kämpfen undLandesverheerungen. Sie sind Zeugnisse einer wiedergeborenenruhigem Zeit, da Jeder nicht nur die Frucht seiner Arbeit inFrieden gemessen will, sondern sich auch Rechenschaft gibt überdas nach all den Störungen ihm Gebliebene an Land und Leuten,Rechten und Gütern. So der laterculus bonorum des Klosters Sin-delsberg, der Güterbeschrieb von Maursmünster usw. Es sindAufzeichnungen über die Herkunft einzelner Güterkomplexe oderRechtsame; über das Weiderecht der Dorfleute im Klosterwald;über die Güter, die das Kloster seinen Zinsleuten in Besitz undBearbeitung gegeben hat; über die Obliegenheiten dieser Leute.Es sind tausend Einzelheiten und stets nur Kleinigkeiten. Aber siegeben uns das Bild einer grossen und rastlosen Arbeit, einer sorg-fältigen Wirtschaftsordnung, einer ganzen Welt von mehr oderweniger geschlossenen Hofverfassungen. Dabei ist überall nurvon Landgeschäften die Rede; wir haben den Eindruck, dassdiese Bauern mit öffentlichen Dingen nichts zu tun haben; sieleben nur ihrer Scholle, dem Dienst und Recht ihres Hofes.
Aber noch andere Schichten der profanen Bevölkerung steigenjetzt gleichsam ans Licht empor und kommen in Bewegung: derniedere Adel und die Städter.
Der Volksmasse kriegerischer und bäuerlicher Freier in deralten Zeit stehen jetzt gegenüber die Menge der unkriegerischund in verschiedenen Abstufungen meist auch unfrei gewordenenBauernschaft und ein viel weniger zahlreicher neuer exklusiverKriegerstand.
In diesem Kriegerstand, diesem Adel, sehen wir zunächstFreie vereinigt, die nicht abhängig geworden sind: Landbesitzer,grössere und kleinere Grundherren. Dass aus solchen eine Ritter-schaft als abgeschlossener Stand erwächst, ist Wirkung sowohldes Lehnswesens als der veränderten Kriegführung und Heeres-organisation, bei der das Reiterheer an die Stelle des Fussvolkesgetreten ist. Diesem Wesen bringt das Zeitalter Heinrichs IV.mit seinem permanenten Bürgerkrieg die stärkste Förderung.Im zwölften Jahrhundert ist der entwickelte Zustand da.
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