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Geschichte des Elsasses / von Rudolf Wackernagel
Entstehung
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den beiden Gewalten, um Güterbesitz, um Rechte des Vogts usw.;auch das Kloster St. Stephan ist dabei beteiligt. Namentlich aberist die Abtei Ebersheimmünster zu nennen, deren heute vor-liegende urkundliche Ueberlieferung der ältern Zeit zum gutenTeil angezweifelt werden muss.

Im Ganzen genommen ist es eine Tätigkeit, der wir mit demBegriffe der Fälschung allein nicht gerecht werden. Sie dientrechtlichen und wirtschaftlichen Ansprüchen; aber in sehr be-merkenswerter Weise kommt dabei auch ein historisches In-teresse zur Geltung. So gewinnen wir auch hier eine Vorstellung,die zum allgemeinen Wesen dieser Zeit, ihren positiven Leistun-gen passt. Es ist eine Zeit schöpferischer Kraft, einer nach allenSeiten ausströmenden Fülle von Tätigkeit und Bewegung.

Dieses Wiederaufsteigen des Lebens verkündet sich auchin einer ausserordentlich starken Bautätigkeit. Sie kann bald alsZeugnis von Baulust, bald als Werk der Notwendigkeit gewertetwerden; vielfach lebt in ihr auch jene höhere Empfindung, diesich mit schönen Worten äussert im Ausschreiben Bischof Kon-rads für den Bau des Strassburger Münsters (1190-1202). Dawird die Aufforderung zur Beisteuer an das sichtbare Gehäuseder Kirche, an das sumptuosum et laboriosum opus, begründetund geadelt durch ein begeistertes Lobpreisen der ewigen un-sichtbaren Kirche und ihres Dienstes an der Menschheit. Jeden-falls haben wir es von der schlichten Klosterkirche bis zurfürstlichen Kathedrale mit einem Ganzen von ausserordent-licher Erscheinung zu tun.

Der Vergleich mit andern Perioden zeigt ein sehr starkesUeberwiegen dieses zwölften Jahrhunderts in der baulichen Pro-duktion. Was die frühere Zeit an Gebäuden hinterlassen hat, istalt, von Stürmen und Erdbeben erschüttert, dem Bedürfnissenicht mehr genügend. Dieser bejahrten Baumasse gegenüberregt sich der Impuls einer erneuten Zeit, der entwickelte künst-lerische Sinn, der gesteigerte Anspruch.

So kommen wir zu einer mächtigen Gesamtleistung, die sichim Ganzen als ein Werk elsässischer Eigenkunst darstellt, ohneSpuren wesentlicher Einflüsse von aussen her. Eine Aufzählungist untunlich, nur Hauptstücke können genannt werden.

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