scheint unter Relindis und namentlich unter Herrad als Pflanz-stätte feiner Frauenbildung. Wobei wir uns daran erinnern, dassin den Stiften dieser Art regelmässig Schulen bestanden. In derHohenburger Schule scheinen Töchter des Elsässer Adels ihrestandesgemässe Bildung erhalten zu haben; die Aebtisse selbstleitete diesen Unterricht.
Für die Zwecke dieser Schule, vielleicht auch im Allge-meinen zur Belehrung und Erbauung der Klosterdamen, ist derhochberühmte Hortus deliciarum durch Herrad angelegt undausgeführt worden. Dieser «Garten der Wonnen», dieser «Lust-garten» war eine grosse Sammlung von Excerpten aus Kirchen-vätern und spätem theologischen Autoren, nebst zahlreichenastronomischen, mythologischen, geographischen und sonstigenNotizen, einem Papstkatalog, einem immerwährenden Kalender,sowie Gedichten. Alles natürlich lateinisch, dazu belebt durcheine herrliche Fülle von Illustrationen, über dreihundert sorg-sam ausgeführten, meist farbigen Bildern. Das ganze Werk, eineEncyklopädie von einziger Art, Grösse und Schönheit, ist na-mentlich durch seine Bilder ein kostbares Zeugnis für das Lebendes zwölften Jahrhunderts. Es spiegelt aber auch eine merkwür-dig breite Kultur wieder; w r enn es wirklich das Werk des Herrad selbst ist, so zeigt sich in ihr eine Frauenbildung von seltenerStärke.
Leider existiert das Manuskript dieses unvergleichlichenWerkes nicht mehr. Es w 7 ar ein mächtiger Pergamentfoliantvon 324 Blättern. Im August des Jahres 1870 ist mit der Strass-burger Bibliothek auch diese Kostbarkeit untergegangen.
Die Zeit zeigt uns aber noch allerhand Seitenstücke zu dieserAebtisse, welche excerpiert und compiliert, dichtet, schreibt,zeichnet und malt. So die Stiftsdame Guta in Schwarzenthann,die dort um das Jahr 1150 eine Sammelhandschrift mit Marty-rologien, der Regel Augustins u. a. m. anlegt; diese Handschriftwird dann durch den Marbacher Mönch Sintram illustriert.
So jenen andern Marbacher, der in seinem Kloster zu Endeder 1130er Jahre Zeitgeschichtliches in Annalenform aufzeichnet.
Auch Ebersheimmünster hat sich damals, um die Mitte desJahrhunderts, eine Hauschronik angefertigt.
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