Auch im Eisass sehen wir solche Zirkel sich bilden. Nichtnur die gemeinsame Behandlung gelehrter Fragen, nicht nurDiskussion und Debatte machen sie zu Mittelpunkten, um diefür uns dies ganze Leben zusammengedrängt erscheint; siezeigen vor allem das diese Menschen erfüllende Gefühl der Zu-sammengehörigkeit und des gleichmässigen Erhobenseins überBarbarei und vulgus. Sie zeigen den Stolz dieser Genossen, Den-ker und Darsteller einer neuen Art zu sein. So kommt es zu philo-sophischen Symposien, zu antiquarischen Tischgesprächen etc.So bildet sich und lebt die Strassburger Sodalität, deren Er-scheinung in reinen Glanz emporgehoben ist durch den Pane-gyricus des Erasmus. Ihre namhaften Genossen sind Wim-pfeling, Sebastian Brant , Hieronymus Gebwiler, Luscinius, Ru-dolfinger, Ruser, Thomas Vogler, Jacob Sturm , Mathias Schürer.Wenig später ist um Wimpfeling eine ähnliche Sodalität auchin Schlettstadt entstanden, am Orte alten humanistischen Ruh-mes; da finden wir als ihre Mitglieder den Abt von HugshofenPaul Volz , den Pfarrer Paul Phrygio , Beatus Rhenanus , Johan nes Sapidus , Martin Bucer , Beatus Arnoaldus, Jacob Spiegel. Undähnlicher Art wird auch die Academia Anhelmiana gewesen sein,die der Buchdrucker Thomas Anshelm in Hagenau gründete, alseine Vereinigung seiner Korrektoren und gelehrten Freunde, nachdem Muster der Aldina in Venedig .
Diese Humanisten sind zum Teil Kleriker, mit Pfarreien oderStiftspfründen, und erscheinen dann für uns einfach als privati-sierende Gelehrte ohne weitern Beruf oder Lehrauftrag. WelchesBehagen des Daseins dann bei guten Vermögensverhältnissen ent-stehen konnte, zeigt uns Thomas Wolf, der neben dem Chor-dienste den Tag mit etwas Spazierengehen und Vogelstellerei,zu Hause mit dem Herumstöbern in seiner reichen Bibliothek,mit gelehrter Lektüre und dem Füttern des Geflügels verbrachte;dazu kamen das Gespräch mit den vielen Besuchern, die wieein literarisches Geschäft betriebene Korrespondenz, sowie einefreigebige Gastlichkeit. Andere hatten ihren, oft mühevollen Be-ruf. Als Korrektoren oder als Schullehrer. Wimpfeling nahm sichin seinen spätem Jahren der Erziehung oder Beaufsichtigungjunger Leute an. Luscinius war zeitweise Organist zu St. Thomasin Strassburg ; daneben hielt er bei den Johannitern Nachmit-