Buch 
Geschichte des Elsasses / von Rudolf Wackernagel
Entstehung
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hörte er Basel an. Drei Jahre später, im Jahre 1514, kam Eras-mus nach Basel .

Es war die Zeit, in der es mit dem alten Humanismus desElsasses dem Ende zuging. Keime eines neuen Lebens, einesentwickelten Humanismus, zeigen sich allerdings, und zwar wie-der im Schicksalsorte Schlettstadt , wo jetzt Sapidus einen mäch-tigen Schulbetrieb inauguriert; auch in Strassburg wirken Brun-fels und Gebwiler in modernem Sinne; aber es war doch einWendepunkt.

Jenes glänzende festliche Symposion, das die StrassburgerSodalitas im Jahre 1514 dem nach Basel durchreisenden Eras-mus zu Ehren veranstaltete, war der letzte grosse Tag des altenElsässer Humanismus. Das stets überlegen gewesene Basel wurdejetzt zur unbedingt herrschenden Humanistenstadt.

Hier nun fragen wir nach den Lesern dieser humanistischenLiteratur, ja der wissenschaftlichen Literatur überhaupt. Wel-cher Art und von welcher Stärke war ihr Publikum?

Die Antwort ist, dass dieses Publikum der kleinere und aus-erwählte Teil war und neben ihm ein an Zahl weit überlegenerLeserkreis bestand, dem die deutschsprachliche Literatur diente.

Das häufigere Auftreten jener gelehrten Produktion in derUeberlieferung kann uns nicht täuschen. Hier dagegen habenwir es zu tun mit einem allgemeinen Bedürfnis, einem allgemei-nen Interesse. Das Verlangen Jedermanns, der deutsch lesenkann oder deutsch Gelesenes vernehmen will, ists, was derSchriftstellerei der Tagesbücher, der Nützlichkeitsbücher, derUnterhaltungs-, der Erzählungs-, der Erbauungsbücher ruftund sie in Bewegung erhält, ja immerzu steigert. Gerade dieAllgemeinheit und Selbstverständlichkeit dieser Literatur, die zu-meist mehr Heft und Blatt als Buch ist, lässt sie sowenig er-wähnt werden und hat sie auch nur so vereinzelt am Lebenerhalten; hier beseitigt der rasche und wechselnde Bedarf schonheute das gestrige Produkt.

Der elsässische Humanismus, den wir kennen gelernt haben,ist ohne unmittelbar sichtbaren Einfluss auf das Volk geblieben;auch um den elementaren Unterricht hat er sich kaum beküm-mert.

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