durch die Studenten gespielt. Spangenberg hat einige solcherlateinischen Stücke verdeutscht. Caspar Brülow aber, der Gym-nasialdirektor, ist selbst Dichter vieler solcher Schuldramen ge-wesen. «Im geschickten Szenenbau, in der schlagenden Komikund der kunstvollen Steigerung erweist er ein ungewöhnlichesdramatisches Talent».
Dieser Schuldramatik begegnet nun aber ein reicher Stromlebendigerer Volksdichtung und literarischen Lebens überhauptvom Bürgerhause, von der Werkstatt und der Zunftstube her.Schon Männer wie Michael Herr und der Colmarer SchultheissHieronymus Boner, die zahlreiche klassische Autoren ins Deut-sche übersetzen, zeigen, welche Interessen und welche Kennt-nisse in diesen Kreisen zu Hause sind.
Es sind die Kreise, in denen auch der Meistergesang blüht.Jene merkwürdige Einrichtung, in der die deutsche Lyrik desMittelalters als Singekunst fortgesetzt, aber volkstümlicher ge-staltet wird. Allerdings in seltsamen ausgeklügelten Formen, diemeist das Geistige und Dichterische selbst ersetzen müssen.Schulen solcher Meistersinger haben in Colmar und in Strassburg bestanden.
Der namhafteste Genosse der Strassburger Meistersinger istder schon erwähnte Wolfhart Spangenberg , der seit dem Endedes Jahrhunderts in Strassburg lebt. Während er für die Auf-führung antiker Dramen am Akademietheater deutsche Text-bücher anfertigt, dichtet er hier bei seinen Meistersingern fürdas auch durch sie gepflegte Drama Volksschauspiele, die voll«Eigenart und entzückender Frische» sind. Es ist dieselbe Um-gebung, in der auch die übrige Dichtung Spangenbergs zu Hauseist, die Gelegenheitspoesie, die Parabeln und Bätsel, der «Gans-konig» usw. Alles «in liebenswürdiger neckischer Satire, mitdem gutmütigsten Lachen», ein «Lustgarten anmutiger Weis-heit».
Spangenbergs Schauspiele erinnern uns an die etwas älterenVolksdramatiker des Elsasses. An Valentin Bolz von Rufach , derden Terenz übersetzt, dann in Basel seine Komödien gedichtetund zur Aufführung gebracht hat. An Mathias Holzwart vonRappoltsweiler , dessen Dichtung Saul gleichfalls in Basel gespieltworden ist; er hat auch Emblemata gesammelt und «poetisch
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