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Geschichte des Elsasses / von Rudolf Wackernagel
Entstehung
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Wir erwähnen nur rasch den allgemeinen Verlauf. Am 26.August 1619 wählten die böhmischen Stände den PfalzgrafenFriedrich zum König Böhmens , am 8. November 1620 erlag erin der Schlacht am Weissen Berge dem kaiserlichen Heere. Erfloh aus dem Lande; am 22. Januar 1621 wurde er mit derReichsacht belegt. Sein Heerführer aber, Graf Ernst von Mans­ feld , wendete sich im Frühjahr 1621 nach der Oberpfalz , dannim Herbste, vor Tilly und Herzog Maximilian weichend, nach derRheinpfalz. Er trug den böhmischen Krieg an den Mittelrheinund bald auch ins Eisass; jetzt trat auch Markgraf Georg Fried-I rieh von Baden an seiner Seite in den Krieg ein.

Am 28. November 1621 eroberte Mansfeld Weissenburg;

! am 6. Dezember ging Hagenau an ihn über und wurde seini Hauptquartier . Von da an bis in den Sommer des folgenden: Jahres lag das nördliche Eisass unter der Last dieses Krieges;i aber auch das Land hinauf, bis in die Gegend von Ensisheim ,i zogen die Mansfeldischen. Erhebung schwerer Kontributionen,

I Ueberfälle, Plünderungen, Streifzüge und Gefechte folgten sichunaufhörlich. Auch die Niederlage der mansfeldischen und mark-. gräfischen Truppen bei Wimpfen am 6. Mai 1622 brachte nicht sofort Erleichterung. Denn noch einmal rückte Mansfeld mit ge-. waltigen Scharen das elsässische Land hinauf, an Strassburg ; vorbei; wieder wurde Alles verheert, zahlreiche Dörfer nieder-! gebrannt, Ober-Ehnheim eingenommen, Rosheim ausgemordet| und verwüstet. In Hagenau hatte sich Mansfeld huldigen lassen;

! er schien an dauernde Festsetzung am Oberrhein, an Begrün-I düng eines Fürstentums zu denken. Aber zur gleichen Zeit er-i öffneten sich ihm, dem berühmten General, «dem Meister des: Werbegeschäfts und verwegenen Condottier», noch bessere Aus-sichten. Er nahm seinen Abschied vom Kurfürsten und trat in| den Dienst der Generalstaaten .

Kurz darauf fiel Heidelberg , und bald waren alle pfäl-zischen Gebiete unterworfen. Auch in den böhmischen und öster-i reichischen Landen lagen die Feinde des Kaisers zu Boden.

Auch das in solcher Weise beginnende Jahrzehnt ist nochj erfüllt von dem monarchischen und katholischen Hochgefühl| des Hauses Habsburg . Ja noch gesteigert, durch den errungeneni Sieg zur Leidenschaft erhoben lebt die schonungslose Stimmung

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