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Geschichte des Elsasses / von Rudolf Wackernagel
Entstehung
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Es war eine Erneuerung des Vertrages von Münster und liesssomit die Rechtsfrage ungelöst. Die Stipulationen von 1648 sollteneinfach weiterdauern, und jeder Teil interpretierte sie wie bisherso fernerhin auf seine Weise.

Ludwig XIV. sah sich «au comble de la grandeur». Er hatte auf der einen Seite des Elsasses die Freigrafschaft, auf der an-dern die Stadt Freiburg erworben. Er hatte den grossen Krieggegen eine europäische Koalition mit Erfolg durchgeführt. Nunmochte er sich in diesen Elsässer Dingen nicht länger mit Inter-pretationen begnügen, sondern verlangte Realitäten.

Im September 1679 leisteten die zehn ehemaligen Reichs-städte dem neuen Landvogt, Raron de Montclar, den Eid derTreue; die Colmarer angesichts einiger vom Landvogt hiezu auf-gebotenen Rataillone.

Und nun geschah das Weitere. Nachdem Frankreich dieStädte bemeistert hatte, war nicht daran zu zweifeln, dass esauch die übrigen Teile des Elsasses an sich nehmen werde. Eshandelte sich dabei um sein Ansehen und das von ihm behaup-tete Recht. Aber auch um ganz bestimmte militärische Forde-rungen, um genügende Sicherung dieses wichtigen Gebietes seinerGrenze. Mit dem habsburgischen Eisass allein war nicht viel er-reicht; der Resitz der zehn Städte bedeutete wenig, solange derstrategische Hauptplatz Strassburg fehlte; ausser diesen Städtenaber war noch ein grosses Stück Eisass ausstehend.

Frankreich wählte ein Mittel, das in der Linie des Nym-wegener Friedens lag, indem es sich nicht als Gewalttat gab,sondern als rechtlich und historisch fundierte Ausführung derVertragsbestimmungen von Münster . Dieses Mittel war die Re-union.

Das Reunionsverfahren ging von dem Gedanken aus, dassalle Gebiete, die zu den in Münster und Nymwegen durch Frank­ reich erworbenen Territorien und Herrschaftsrechten jemalsgehört hätten, gleich diesen der Souveränetät Frankreichs unter-stünden und daher mit ihnen wieder vereinigt, reuniert werdenmüssten. Zu Ermittelung dieser Pertinenzen und entsprechenderVerfügung wurden gleichzeitig drei französische Reunionskam-mern bestellt: in Metz für die Drei Bistümer, in BesanQon für dieFreigrafschaft, in Breisach für das Eisass.

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