Missbrauche der Gerichtsbarkeit, er sucht die Unparteilichkeitder Justiz zu sichern, er bekümmert sich unausgesetzt um Artund Mass der herrschaftlichen Corvees. Aehnliches ist jedenfallsdurch die Prätoren in den Städten geschehen. Aber auch durchdie eigene Rechtsprechung gewinnt sich der Conseil Souverainhohes Lob; Franz von Ichtersheim, ein der französischen Herr-schaft leidenschaftlich opponierender Elsässer, hat doch dierasche, billige und gerechte Justiz dieses obersten Gerichtshofesim Jahre 1710 rühmend anerkannt. Es ist derselbe Beobachter,der über die Lage des kleinen Mannes urteilt, «früher seien dessenLasten unerträglich gewesen; jetzt seien Robotten und Frohndenreduciert und reguliert».
Auch die Sicherheit in dem verwilderten, vielfach noch vomKriege her von Gesindel erfüllten Lande wird wieder hergestellt.Erlasse des Königs und des Conseil Souverain gegen die «starkenBettler» und die Vagabunden folgen sich. Seit dem Jahre 1673besteht das breit und mächtig organisierte, militärische Polizei-korps der Marechaussee.
Aber das dem Frieden wiedergegebene und jetzt neu ge-sicherte Eisass erhebt sich überhaupt in frischem Gedeihen.Alles ist «innoviret, gebessert, excolirt und geziert», ruft jenerFranz von Ichtersheim aus. Nach den Schrecken, Leiden undVernichtungen der langen Kriegszeit ist jetzt eine Ruhe, einWiederaufleben des ganzen Landes zu Regsamkeit und Wohl-behagen. Schon im Jahre 1682 befiehlt die Regierung allen Be-sitzern verwilderter und brachliegender Landstücke deren An-bau innert drei Monaten; einige Jahre später geht sie noch weiterund verfügt, dass, wer ein Feld urbar mache, dessen Eigentümerwerden und während zwölf Jahren von allen Steuern befreitsein solle. Und damit beginnt die Periode der allgemeinen eifrigenSäuberung und Bebauung. Aecker und Rebberge werden wieder,was sie vordem gewesen. Denn ausser dem Antriebe der Regie-rung ist überall das Entscheidende das, was später ein Reisenderden «deutschen Fleiss» nennt. Es ist eine Bodenbesorgung, dieüber die im sonstigen Frankreich übliche weit hinausgeht. Dortsind die grossen, unkultivierten, mit Heidekraut bewachsenenGebiete, und neben ihnen ein nur unentwickelter Landbau. Wieganz anders hier im Eisass! Schon nach den ersten Zeiten der
317