Buch 
Geschichte des Elsasses / von Rudolf Wackernagel
Entstehung
JPEG-Download
 

mit einer noch durch Schöpflin verfassten Vorrede. Da preist erdas saeculum diplomaticum, zu dessen Fülle von Urkundenpubli-kationen nun er seinen Elsässer Thesaurus beisteure; da rühmter den Reichtum der elsässischen Archive und seine Besiegungder vielen Hindernisse, auf die eine solche Sammlung und Edi-tion stosse.

Aber Schöpflin wird uns interessant nicht nur durchdiese Folianten. Er ist keineswegs nur Editor. Er hat überhauptwenig Aktenstaub an sich und wenig Geruch der Studierstube.Seine vielen, zum Teil weiten Reisen, die oft «promenades decours en cours» sind; der universale und erlesene Kreis seinerBekanntschaften; die Vorlesungen, die dem hohen politischenLeben der letzten Jahrhunderte gelten und dadurch Schöpflinzum Lehrer von Fürsten , Edelleuten und künftigen Diplomatenmachen; seine Redekunst und ihre Anwendung in erlauchtenMomenten; alles dies macht sein Bild zu einem weltmännischfreien; er hat nichts gemein mit den gelehrten Pedanten des da-maligen Deutschlands . Wie körperlich so auch im geistigen Sinne«schlank und wohl gewachsen», «mit leichtem freiem Wesen»,«eine durchaus angenehme Gegenwart».

Er hat seine Freunde in Leyden, in Paris , an Universitätenund an weltlichen und geistlichen Fürstenhöfen Deutschlands .In Rom verkehrt er mit gelehrten Kardinälen und berühmtenPrälaten. In der Wiener Hofburg ist er gerne gesehen. Der Königvon Neapel macht ihm ein Präsent mit dem neuen Prachtwerküber Herculanum. Er ist Mitglied der Akademien von Petersburg und von Paris und der etruskischen Akademie von Cortona .Die französische Krone verwendet ihn zu einer diplomatischenMission nach London , und noch als alter Herr reist er nachBrüssel , um im Aufträge der Regierung die Gründung einer Aka-demie zu betreiben und damit auch dort den Wissenschaften eineHeimat zu geben.

Aus diesem weiten Bereiche, aus der Fülle und dem Glanzeder vielen persönlichen Beziehungen erwächst Schöpflin eineuropäischer Ruhm. Wie dieser Ruhm Jahr um Jahr zahlreichevornehme Zuhörer aus allen Ländern in seine Vorträge führt,ist ihm eine Freude, die er wiederholt ganz naiv ausspricht.