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Geschichte des Elsasses / von Rudolf Wackernagel
Entstehung
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seins und der politischen Atrophie, bei der das Lokale und Land-schaftliche durchaus dominiert, aber der enge, lebendige, wech-selseitig wirksame Zusammenhang mit einem grossen, nationalbewegten Ganzen fehlt.

Dieser Mangel bezeugt sich auch durch die geistige Verar-mung des Landes. Einzelne Gelehrtenfiguren von der Art deruns bemerkbar gewordenen beseitigen den Eindruck der Er-schöpfung und Dürre im Ganzen keineswegs.

Zu Deutschland gehörte das Eisass nicht mehr und zu Frank­ reich nur locker. Die Folge hievon ist ein beschränktes Eigen-wesen, ein dürftiges Sichbescheiden, auch in geistigen Dingen.Dieser Mangel frischen literarischen und künstlerischen Lebens,diese Unmacht der freien geistigen Produktion gehört zum Ein-drücklichsten im Bilde des durch Frankreich regierten Elsasses,des Landes, das früher, vor den Verwüstungen des Kriegsjahr-hunderts, «in allem was Deutschland bewegt hatte, stets unterden Führenden gewesen war». Jetzt im achtzehnten Jahrhundert,während hüben und drüben die Welt von den gewaltigsten gei-stigen Bewegungen vibriert, sehen wir dieses Land im Banneseines Winkeldaseins, keinem grossen Strome und Sturme zu-gänglich und höchstens von einem Hauche, von einer leichtenWelle gestreift.

Das alte deutsche Grenzland muss beiden Kulturen Raumund Heimat bieten und ist so genötigt, seine Anschauungen, Ent-schlüsse und Leistungen zu zersplittern.

Dabei ist begreiflich, dass von den beiden Mächten nicht diealtangestammte und beharrende, sondern die neue strebende denVorteil des Wachsens hat. Sie wächst, in einer Ungeheuern Man-nigfaltigkeit Tausende von Formen annehmend, vom harten un-ausweichlichen Gebote durch alle Möglichkeiten hindurch bis zurleichten zufälligen Berührung. Die Stimmung des Jahrhundertsverbindet sich mit den Bedürfnissen oder Gelüsten des einzelnenkleinen Bereiches. Es handelt sich um ein Wesen, das in derHauptsache durch die bestimmten und verhältnismässig engenGrenzen amtlicher und gesellschaftlicher Kreise zusammen-gehalten und bei Weitem nicht ein Gemeingut ist.

Das Verlangen des erobernden Staates, sich das gewonneneLand zu assimilieren, erscheint als natürlich. Auch ist das Pro-

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