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Geschichte des Elsasses / von Rudolf Wackernagel
Entstehung
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ihrer gesellschaftlichen Kultur doch Provinzialin ist; sie will einesolche bleiben und inmitten der manieres elegantes des franzö­ sischen Hoflebens sich ihrer pruderie nicht schämen. Sie ist aberElsässerin auch in begeisterter Heimatliebe; da sie die schim-mernden Bilder ihres Lebens in den Memoiren sammelt, er-scheint ihr all dieser Glanz überstrahlt durch die Schönheit undVertrautheit ihres eher pays dAlsace.

Höchst lebendig berührt uns die Wahrnehmung, wie dieserProvinzadel sich unter der französischen Beherrschung ent-wickelt hat. Die Baronin Oberkirch , der Marschall Waldner, derGraf Montjoie , der Baron Flachsland besitzen jetzt, in der klas-sischen Zeit des ancien regime, eine hohe gesellschaftliche Aus-bildung; sie haben le plus grand air du monde, und sie stehendamit nicht allein unter ihren Standesgenossen. Hundert Jahrefrüher hatte der Intendant Colbert gefunden, dass die Edelleutedes Sundgau insgesamt am besten täten, zu Hause zu bleiben;er weiss nur Drei zu nennen (einen Andlau und zwei Keinach),die sich zur Not dürften bei Hofe sehen lassen.

Von der Kraft des französischen Wesens innerhalb Strass-burgs ist schon die Rede gewesen.

Ausserdem haben wir die Eigenart des Ortes zu erwägen.Strassburg ist die reiche, grosse, schön gelegene, wohllebendeGrenz- und Transitstadt. Schon in früherer Zeit hat sie ihrenBesuchern mehr Wälschtum zeigen und bieten können, als irgendeine andere Stadt des Reiches. Seit dem Jahre 1681 wächst nundiese Funktion gewaltig. Hier sammelt sich das hohe franzö­ sische Regierungswesen, erbaut sich breit und glänzend die Be-amten- und Militärwelt; hier entstehen die französisch gerich-teten Gesellschaftskreise. Eine Macht erwächst anfangs in be-schränktem Bereiche, die verführerisch, gewinnend, dominierendallmählich weiter greift. So ändert sich dem Fernerstehendendie Erscheinung dieser alten Reichsstadt immer mehr und wirdfremdartig anziehend. Strassburg gilt als die am leichtesten er-reichbare französische Stadt; Mancher geht nach Strassburg indem Glauben, sich damit die Reise nach Paris zu sparen.

Strassburg selbst fühlt sich jetzt dem alten heimatlichen Ger­ manien gegenüber als Repräsentantin Galliens , als Ort der Ver-mittlung. Aus dieser Ueberzeugung heraus entsteht z. B. eine