Literaturzeitung, die «Strassburgischen Gelehrten- und Kunst-nachrichten». Während der schon bisher in Strassburg erschei-nende «Avant-coureur» eine Zeitschrift ist, die periodisch Listendes französischen Büchermarktes sowie «kleine Nachrichten ausder Pariser Welt» bringt, hat jenes andere Organ die Bestim-mung, durch eingehende Besprechungen die Werke französischerLiteratur und Kunst in Deutschland bekannt zu machen.
Freilich, so mannigfaltig und unsystematisch das ganzeLeben ist, so auch diese Beziehung Strassburgs zu Ausland undReisenden. Was sie immer neu belebt und erregt, ist nicht alleinjenes wälsche Wesen, sondern die seit langem bewusste Art undEignung dieser Stadt überhaupt. Sie ist die grösste, die beweg-teste, die angesehenste und unterhaltendste Stadt in der Ober-rheingegend und Südwestdeutschland ; Karlsruhe und Mannheim sind noch im Entstehen; erst Mainz , Frankfurt , München sindgrössere Zentren. So wird Strassburg zu einem internationalenStelldichein, das «beständig von Fremden und Reisenden wim-melt».
In den Studenten der Hochschule haben wir eine grosseGruppe solcher Besucher schon kennen gelernt; aus der Mengedgr Andern sind vielleicht Einzelne hier zu nennen, weil ihreAnwesenheit Stadt und Gesellschaft besonders erregt. Nicht andie hier auftretenden Potentaten denken wir dabei, — KaiserJosef , König Christian von Dänemark, Prinz Heinrich von Preus-sen u. A. — aber an Voltaire im Jahre 1753, an Rousseau im No-vember 1765, an Madame Geoffrin , die Freundin der Encyclopä-disten, im Herbst 1766; Graf Cagliostro sodann mit seiner fas-zinierenden Erscheinung und seinen Wunderkuren, später derMagnetismus Mesmers und die an ihn sich schliessenden spiriti-stischen Experimente des Herrn de Puysegur halten Strassburg Monate lang in Atem.
Durch dieses Alles hindurch dominiert doch stets das Fran-zosentum. Goethe war der Meinung, in Strassburg ein kleinesParis zu finden. Und so erklärt sich auch, dass König Friedrich II. von Preussen, als er französisches Leben und Wesen auf franzö-sischem Boden kennen lernen und dabei doch alles Aufsehenvermeiden wollte, im August 1740 jenen kecken Incognitobesuchin Strassburg machte, bei dem seine geniale Unbekümmertheit
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