Alle verblüffte, seine Liebenswürdigkeit, sein Geist und sein ex-quisites Französisch Alle gewann.
Eine Reihe hoher offizieller Feste bekräftigen nicht alleindie Bedeutung Strassburgs als des stets bewegten Schauplatzesmerkwürdiger Dinge; sie zeigen auch die französische Qualitätdieser Stadt im höchsten Glanze: die Vermählung der Maria Les-cynska mit König Ludwig XV. im Jahre 1725, der Besuch diesesKönigs selbst im Jahre 1744, die Durchreise der Marie Antoinette im Jahre 1770. Endlich im Jahre 1781 die Feier der Geburt desDauphin, die zusammen fiel mit dem Jubiläum der AnnexionStrassburgs durch Frankreich ; zu den offiziellen Schilderungendieses Festes fügt die Baronin von Oberkirch einen besonderenTon, indem sie von dem auf Befehl des Präfekten gedichtetenFestspiel sagt, dass sein Motiv gewesen sei le besoin et la neces-site de vaincre les preventions et l’ancienne antipathie entre lesdeux nations allemande et frangaise, antipathie qui existe encoreparmi le peuple.
Strassburg bot seinen Besuchern ein merkwürdiges Bild. Esgab sich als französische Stadt und war eine deutsche. Was nureinem kleinen Kreise zustand, beanspruchte allgemeine Geltung.So entwickelte sich und wuchs jener unklare Zustand der sichbegleitenden, nebeneinander her gehenden und wirkenden Kul-turen. Ein Nebeneinander, das einem aufmerksamen Beobachterwie Campe im Jahre 1785 als «ein Gemisch deutscher und fran-zösischer Sitten» erschien. Auch manche Strassburger selbstempfanden unwillig dieses Wesen als ein amphibiales.
Wie ein Symbol solcher Zwitterexistenz konnte klaren Augenschon damals die Pariser Theatralik des Marschallsgrabes imgotischen Chorraume von St. Thomas Vorkommen.
Im Uebrigen begegnet uns dies Nebeneinander mit wenigerDissonanz. Als eine unausweichliche Folge der Erlebnisse Strass burgs .
Vor allem denken wir daran, dass der nationale Gegensatzsich oft mit dem konfessionellen deckte. Ueberhaupt bestandenzweierlei Gesellschaften oder Bevölkerungen mit Verschiedenheitdes Niveaus, des Umfangs, der Sitte, vielfach in exklusiver Hal-tung. Neben der altangessenen deutschen Einwohnerschaft vollStetigkeit regt sich in vielem Wechsel die französische «Kolonie».