Die Wirkungen hievon leben vor allem in dem Nebeneinanderzweier Sprachen, zweier Trachten. Aber auch in der Zweizahlder Universitäten. Im Bestehen eines französischen Theatersneben dem deutschen . Die deutsche Wein- und Bierstube hat ihrGeleit und ihre Ergänzung im französischen Cafehaus.
Als der König von Frankreich im Jahre 1681 Strassburg nahm, bestätigte er dieser Stadt feierlich alle ihre Privilegien,Rechte, Statuten und Gewohnheiten.
Gemäss diesen Zusagen konnte Strassburg sein altes Wesenin die neue Zeit herübernehmen: das Wesen der deutschen pro-testantischen Freistadt .
Der König hat seine Versprechungen freilich zum Teil ge-brochen: durch seine Rekatholisierungsmassregeln, durch Bestel-lung des Prätors, durch Heranziehung der Stadt zu den Staats-steuern usw.
An den Kern des städtischen Wesens aber rührte er mitdiesen Eingriffen nicht. Das System der Verfassung von 1482blieb und dauerte weiter, und in diesem Gehäuse dauerten weiterdie Art, die Form, die Gesinnung, die so alt waren wie jene Ver-fassung, ja ein Jahrtausend alt wie die Stadt selbst. Es war dasursprüngliche ungeänderte Strassburg , das auch jetzt noch, unterfranzösischer Botmässigkeit, deutsch sprach und sich deutsch kleidete, dessen Räte und Gerichte deutsch verhandelten, dessenSchulen bis hinauf zur Universität und dessen Zeitungen deutsch waren; überall war die alte Deutschheit noch aufrecht: in derZunftverfassung, im Luthertum, in der Art des bürgerlichenLebens, in Gebräuchen, im Denken und Empfinden.
Ein unvergängliches Denkmal hat dieses deutsche Strass burg erhalten durch Goethe, als er vierzig Jahre später sein Lebenerzählend in tiefer Ergriffenheit auch jene goldene Jugendzeitwieder heraufrief, die er im Eisass verbracht. Durch eine Schil-derung von einziger Lebenswahrheit lässt er uns Zeugen davonwerden, wie er damals in Strassburg die Alamode-Bildung suchteund die Deutschheit fand, an der Grenze von Frankreich allenfranzösischen Wesens auf einmal bar und ledig wurde.
Alles reiht sich für uns um dieses eine Erlebnis: der Aktua-rius Salzmann und sein Kreis; die «ungestümen Shakespearianer»Heinrich Leopold Wagner aus Strassburg und Reinhold Lenz ;
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