Band 
[Sechster Theil]
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Teutsche Geschichten.

79

Wir verlassen den Reichs-Tag, und fangen die Erzehlung derje- rnigen Merckwürdigkeiten all, welche bey denen Ständen des Reichsvorgefallen sind. Man karr sich bey der Lage der Chur -Mayntzif. Lande Listigergar leicht vorstellen / daß dieselbe bey gegenwärtigen Kriegs - Doublen schlagvon den Reichs-Feinden sehr vieles ausstehen müssen/ indem die starcken Mayntz.Fouragirungen sowol, als die Contributiones das Land-Volck zimlichmitgenomrnen. Es liefen sich auch die Frantzofen deutlich mercken, wiestarck ihr Appetit nach der wichtigen Vestung Mayntz,sey. Sie gien-gen daher» lange Zeit auf eine Bombardierung um/ wurden auch selbi-ge dieses Jahr ohnfehlbar unternommen haben/ weiln nicht die Wach-samkeit des Printzens Eugen«/ und die um die Stadt voll einen: Uferdes Rheins bis zum andern herum gezogene Linien sie davon abgehaltenhätten. Weil also mit Macht und Gewalt nichts auszurichten war;so sollen sie durch List ihr Vorhaben auszuführen getrachtet haben. Siesetzten ihr Vertrauen auf einen Obrift-LieutenalltColigni, der voll Ge-schlecht eill Jtaliäner, von Geburt aber ein Frantzos war/ dieser solledurch eine schändliche Verrätherey ihnen zu ihrem Vorhaben oehülstichseyn. Es hatte sich dieser Coligni mit des Kayserl. General und Viee-Commelldantens zuMayntz voll Welsch Tochter/wider Willen des Vat-ters verheyrathtet. Ob ihn nun zwar gedachter General jederzeit ver-folget : So erwarb er sich durch seine ihm beywohnende Wissenschaf-ten llnd Geschicklichkeit in der Ingenieur-Kunst grosse Hochachtung/ al-so daß ihn der Chur-Fürst zum Obrist-Lieutenant erhoben. Weilener sich aber weder zu Mayntz noch zu Erfurt mit den andern Offieiersvertragen konte; faste er den Entschluß, sein Glück in Rußland zu ver-suchen, und legte seine Obrist- Lieutenants - Stelle wieder nieder. Daer aber inzwischen einige Zeit zu Mayntz verblieb; so soll er sich in ei-ne gefährliche Correspondentz wegen Mayntz mit denen Frantzofen ein-gelassen haben, darinnen er ihnen nicht allein den eigentlichen Zustandder Vestung beschrieben, sondern auch sich anheischig gemacht, ihneneinige Aussenwercker durch Verrätherey zu überliefern. Er überkamwichtige und grosse Wechsel, machte eine ziemliche Figur, und suchteimmer mehr lind mehr Offieiers in der Besatzung an sich zu brin-gen. .Der Tag der Verrätherey wurde auf das Fronleichnams -Festvest gestellet, nemlich morgends um neun Uhr, da der Chur-Furstder Proceßion beywohnen, und der qröste Theil der Besatzung pa-radiren würde. Auf selbigen Tag sotten etliche i c-oo. von den Fein-den unter die Canonen von Mayntz rücken. Das bestimmte Zeichenzum Angrif war die Läutung der Glocken in der Metropolitall-Kir-che, wann die Proceßion angehet, und die erste Salve der para-dirmden Trouppen. So bald aber mit einem fliegenden weisen

Schnupf-