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Dämonen und Wilde in Neuguinea / Paul Wirz
Entstehung
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Missionar, Pastor Neyens, war so liebenswürdig gewesen, sie hin undwieder zu besuchen.

Wie ein Lauffeuer hatte sich die Seuche, die mit dem letzten Post-dampfer eingeschleppt worden war, ausgebreitet. Schon an Bordwaren zahlreiche Passagiere erkrankt und drei Inländer unterwegsgestorben. Trotzdem hatte es der Kapitän des Schiffes nicht fürnötig gehalten, die Fahrt einzustellen. Vorschriftsmäßig wurden allePlätze: Ambon , die Kei- und Tenimber-Inseln, Dobo und Merauke an-gelaufen und auf diese Weise die Seuche verschleppt. Dies war einunverantwortlicher Leichtsinn, dessen Folgen unübersehbar waren. Diespanische Grippe stand damals noch nicht auf der Liste der an-steckenden Krankheiten, die, falls sie auf einem Schiffe ausgebrochensind, die Weiterfahrt verbieten, und so konnte man dem Mann weiternichts anhaben.

Drei Tage, nachdem das Boot Merauke verlassen hatte, begann sichdie Seuche dort auszubreiten; einer nach dem andern erkrankte. DieChinesen schlossen ihre Buden, im Gefängnis und in der Kaserneerkrankte alles, ebenso auch der Arzt. Nur der Assistentresident unddie beiden Missionare blieben von der Ansteckung verschont. Sie hattensofort Vorsichtsmaßregeln ergriffen. Ersterer verließ sein Haus tage-lang überhaupt nicht mehr und schützte sich durch vorbeugendeMittel gegen die Ansteckung; die Pastoren schrieben es ihrer Kon-stitution zu, daß sie nicht angesteckt wurden, obschon sie die einzigenwaren, die dem über die ganze Bevölkerung hereinbrechenden Elendzu steuern suchten. An die Papua dachte vorderhand niemand, undnatürlich wurden auch sie nicht verschont. Von Merauke nach allenRichtungen ausgehend wurde ein Kampong nach dem andern ergriffen,alles erkrankte ohne Ausnahme, und die Strandsiedlungen boten dreiWochen lang einen grauenhaften Anblick.

Als ich nach Merauke zurückkehrte, hatte die Seuche dort bereitsausgetobt, aber nun kamen alle Siedlungen der Papua an die Reihe.Wo man auch hinkam, lagen die Eingeborenen vor ihren Hüttenoder auch außerhalb der Siedlungen. In den Pflanzungen war keinMensch mehr zu sehen. Niemand war da, der den Leuten Nahrungbrachte, und so starben manche nicht an der Seuche selbst, sondern einesHungertods, da ja auch ihre Vorräte nicht weit reichten. Das schlimmsteaber war, daß die Stärkeren, die noch Kraft hatten oder noch nichtangesteckt waren, bei Ausbruch der Seuche ins Innere flohen, in derAbsicht, der Gefahr zu entrinnen, und auf diese Weise die Seucheverschleppten. So kam eine Siedlung nach der andern an die Reihe,und dann folgte das große Sterben.

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