Buch 
Aus der Geschichte der Juden in Basel / Lucien Levaillant
Entstehung
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S. 4 No. 683,

Jfldische Presszentrale

5. Februar 1932

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Sic bestimmt die Verwaltung, soweit sie nicht dem Vorstande deiGemeinde Vorbehalten ist. Der Vorstand selbst besteht aus 10 vonder Gemeinde im geheimen Wahlgang ernannten Gemeindemit-gliedern und dem Gemeindepräsidenten. Zur Zeit ist das PräsidiunHerrn Jules D r e y f u s - B r o d s k g anvertraut, der die Geschickeder Gemeinde nunmehr während 26 Jahren ununterbrochen gelei-tet hat.

Die Statistik zeigt, daß die jüdische Bevölkerung ziffermäßig;stabil bleibt. 1905 waren in Basel 2130 Juden anwesend, 1930beherbergte Basel gemäß der eidgenössischen Volkszählung 2571jüdische Einwohner. Daraus ergibt sich ein Zuwachs von rund 440in 25 Jahren, oder von rund 17 jüdischen Einwohnern pro Jahr.Der Vergleich der Ziffern 1920 bis 1930 ergibt sogar eine kleineÄb Wanderung.

Es war von jeher das Bestreben der jüdischen Gemeinde, unterkeinen Umständen öffentliche Mittel zu beanspruchen. So kam es,daß Herr Dr. Burckhardt, Schatzmann, anläßlich der Trennung vonKirche und Staat in Basel unterm 13. September 1906 mitteilendurfte, daß der Staat für den israelitischen Kultus keine Äusgabenzu verzeichnen habe. Aber auch die staatliche Armenpflege dürftezufolge der ausgedehnten Fürsorge der Jüdischen Gemeinde über-haupt nicht oder nur in den seltensten Fällen in Anspruch genom-men worden sein. Dabei sind die Ansprüche, welche an die Israe-litische Gemeinde gestellt werden, relativ sehr hohe. Die Rech-nung der israelitischen Fürsorge und Armenpflege für das Jahr1931 zeigt, daß für regelmäßige Unterstützung für Miete und be-sondere Fälle rund 25,000. Fr., für Lungenkranke 3,000. Fr.verausgabt wurden. Für Brennmaterialien, Spitalverpflegungen wur-den 2,200. Fr. ausgeschüttet. Passantenunterstützungen, Passan-tenbeförderung, Passantenverpflegung, Herberge beanspruchten Fr.17,000.. Die jährlichen Ausgaben der Gemeinde beziffern sichungefähr auf 170,000. Fr.

Heute, nach 126 Jahren, ist die dritte Jüdische Ge-meinde Basels harmonisch in die Wohnbevölkerung hinein-gewachsen. Die Geschichtlichen.Gedenktara> rir>r cinU.A

auch die Gedenktage der jüdischen Bevölkerung. Freudenund Sorgen der Einwohnergemeinde sind die Freuden undSorgen der Jüdischen Gemeinde. Kein anderer Unterschiedbesteht, als derjenige des Glaubens. Der jüdische Einwohnererfüllt seine staatsbürgerlichen Pflichten, wie der christ-liche. Der jüdische Soldat steht an der Grenze seines Va-terlandes, wie der christliche. Nach der Statistik habenzehntausende von jüdischen Soldaten der kriegführendenMächte ihr Leben dem Vaterlande geopfert. Haß, Ver-blendung und Vorurteile gehören, wenn auch nicht ganz,so doch zum größten Teile, der Vergangenheit an. Auchwenn hie und da Schatten aufsteigen, so vermögen sie dochden Glauben an den Fortschritt des Geistes und der Mensch-heit nicht zu erschüttern. Die Zukunft muß letzten Endesdie Reste eines alten Unrechtes gut machen. Ist es nicht

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sinnlos, zu hassen, weil der eine dieser, der andere eineranderen Nation, einer anderen Rasse, einem anderen Glau-ben angehört? Wird nicht ein jeder von uns unerbittlich vonseinem Schicksal geleitet? Ist nicht ein jeder von uns einNichts und der andere sein Bruder? Es wäre wahrlich ander Zeit, in der Familie und in den Bildungsstätten daraufhin zu wirken, daß die Jugend Überheblichkeit und Eigen-dünkel ablegt, um des einen hohen Ideales teilhaftig zuwerden, dessen die leidende Menschheit so sehr bedarf,der Menschenverbrüderung und des Völkerfriedens.

Der Völkerbund lehnt die Kalenderreform ab.

Genf . Der Völkerbundsrat befaßte sich in seiner Sitzungvom 25. Januar mit dem Bericht der Konferenz für Transitund Verkehr, in dem ein großer Raum der Frage der Ka-lenderreform gewidmet ist. In dem Bericht sind die Ver-;handlungen der Kalenderreform-Konferenz, u. a. auch dieDarlegungen der Vertreter des jüd. Komitees betreffend)Kalenderreform, wiedergegeben. Der Völkerbundsrat stimm-te den Schlußfolgerungen der Konferenz zu, denen gemäßbaldige Stabilisierung der beweglichen Feiertage zu er-streben, jedoch von einer irgendwie grundlegenden Aen-derung des Gregorianischen Kalenders im Hinblick auf diereligiösen und aridere Bedenken vorläufig abzusehen sei.Somit ist der Plan der Einführung, der den Sabbat gefähr-denden Blanko-Tage gefallen.

Sir Boyd Merriman in der englischen Regierung.

London . Der Kronanwalt Sir Frank Boyd .Merriman,

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sehen Unruhen im Herbst 1929 in Palästina vor der Shaw-Kommission vertreten hat, ist zum Kronanwalt der Natio-nalen Regierung ernannt worden. Er hatte schon unter derletzten konservativen Regierung das Amt eines Kronanwaltsder Regierung innegehabt.

Loyalitätserklärung von Dr. I. Alkalay

im jugoslavischen Parlament.

Belgrad . In der Adreßdebatte ergriff Senator ujid Groß-rabbiner Dr. Isak Alkalay das Wort und erklärte vor beidenHäusern des jugoslavischen Parlaments: Die Juden Jugosla-viens sind bestrebt, mit allen Kräften, innigst und aufrichtig,am Aufblühen ihres Vaterlandes Jugoslavien mitzuarbeiten.Auf Grund ihrer Erziehung und Religion, ihres Lebens undder Liebe zum Vaterlande, fühlen sich die Juden als Be-standteil des jugoslavischen Volkes.

Irak wird zum Minoritätenschutz verpflichtet.

Genf . Der Völkerbundsrat hat in einem Beschlüsse seineprinzipielle Bereitschaft erklärt, die Beendigung des engli-schen Mandats über den Irak zu verkünden, sodaß diesesLand seine volle Unabhängigkeit erhält. Der Rat setzte einSonderkomitee zur Ausarbeitung eines von der Irak -Regie-rung zu unterzeichnenden Statuts ein, demgemäß der Irak dieVerpflichtung übernimmt, über die Rechte und die Sicher-heit der Minderheiten zu wachen. Im Verlauf der Sitzungstellte Lord Cedi fest, daß im Irak religiöse Toleranzherrscht und daß dort Moslemiten, Juden und Christen fried-lich nebeneinander leben.

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