Buch 
Album von Handschriften berühmter Persönlichkeiten vom Mittelalter bis zur Neuzeit / hrsg. von K. Geigy-Hagenbach
Entstehung
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EINLEITUNG

eber den Wert des Sammelns von Autographen berühmter Persönlichkeiten ist schon viel geschriebenworden. Ich verweise nur auf die geniale Einleitung des Kataloges Bovet durch Etienne Charavay-Paris , auf die Arbeiten von Fischer von Roeslerstamm und auf die in neuerer Zeit erschienenen,vorzüglichen Werke von Prof. E. Wolbe-Berlin *. Von einem andern Schweizer, Germain Talloud in Genf ist auch ein Werk über Autographen in Bearbeitung.

Diese vortrefflichen Werke geben ein klares Bild über den Wert und die Berechtigung diesesinteressanten Sammelgebietes, sie führen ein in die wissenschaftliche und geschichtliche Bedeutung desAutographensammelns. Grosse Geister wie Goethe , Napoleon I. und viele andere haben sich deshalb auchmit dem Sammeln von Handschriften beschäftigt und bei dieser Betätigung eine grosse Anregung empfunden.Goethe sagte, dass Autographenuns vorzügliche Menschen auf magische Weise gegenwärtig machen.

Das vorliegende Werk will nichts anderes sein, als eine Vereinigung von Handschriften berühmterPersönlichkeiten aus verschiedenen Jahrhunderten und es soll namentlich jüngern Sammlern ein Vergleichs-material und eine Grundlage bieten für die Anlegung einer systematischen Sammlung.

Bisher hat ein solches Handbuch gefehlt und ich wurde zur Herausgabe dieses Buches veranlasstdurch das eigene Bedürfnis nach einem Nachschlagewerk, das in einem Bande alle Sammelgebiete desAutographen vereinigt.

Seit den Versteigerungen der grossen Sammlungen von Fillon (1876), von Bovet (1884), von Morrison-London ist kein grösseres, alle Zeiten umfassendes Facsimile-Werk mehr erschienen. Der AuktionskatalogPaar (1893) enthält nur 49, derjenige von Meyer Cohn (1905) nur 78 Facsimiles. Alle diese Kataloge,sowie ausgezeichnete Werke dieser Art, wie die «Isographie des Hommes célèbres» sind vergriffen undnur noch schwer und zu hohen Preisen erhältlich, und so stehen dem jüngern Sammler eigentlich nurdie Facsimiles zur Verfügung, die manchmal in Autographenkatalogen abgedruckt werden, oder aufliterarischem Gebiete diejenigen, die in Literaturgeschichtswerken enthalten sind.

Durch meine mehr als 40 jährige Sammeltätigkeit stand mir ein reiches Material zur Verfügung,das ich im Interesse jüngerer Sammler zu verwerten suchte. Um den Umfang des Werkes nicht zu grosserscheinen zu lassen, war es geboten eine Auswahl der bedeutendsten Namen zu treffen und ich habenamentlich Handschriften lebender oder erst vor kurzer Zeit verstorbener Persönlichkeiten, die im allgemeinenleicht zugänglich sind, nicht aufgenommen, sondern mich darauf beschränkt, nur einige typische Vertreteraus jedem Gebiete auszuwählen. Bei fürstlichen Persönlichkeiten habe ich hauptsächlich nur diejenigenaufgenommen, die eine geschichtliche Bedeutung erlangt haben.

Wenn nun dieses Werk in Sammlerkreisen Freude erwecken und dem interessanten Gebiete neueFreunde zuführen sollte, wenn es auch in weitern Kreisen von Kunst-, Literatur- und Geschichtsfreundenund bei den Graphologen Interesse finden würde, so wäre der beabsichtigte Zweck vollkommen erreicht.

Es ist mir ein Bedürfnis, allen denjenigen den aufrichtigsten Dank auszusprechen, die mir bei derHerausgabe wertvolle Dienste geleistet haben, nämlich den Herren Noël Charavay, Simon Krä-Paris,Maggs Bros-London , K. E. Henrici, J. A. Stargardt, Leo Liepmannssohn, Martin Breslauer , Prof. E. Wölbein Berlin , C. G. Boerner-Leipzig , V. A. Heck, Gilhofer & Ranschburg-Wien, Rudolf Geering und der Universitäts-bibliothek in Basel .

BASEL , September 1925.

KARL GEIGY-HAGENBACH.

* Handbuch für Autographensammler (636 Seiten). Spaziergänge im Reiche des Autographen (203 Seiten). Beide Werke im Verlag von Richard KarlSchmidt & Co., Berlin W. 62.