Vorwort
Die Lust und Vorliebe zum Sammeln von Handschriften ge-schichtlich interessanter oder durch Wissenschaft und Kunst, so-wie durch ausserordentliche Geistesgaben oder ungewöhnlicheSchicksale ausgezeichneter Personen, wurden schon längst inFrankreich mit grossem Eifer gepflegt, gingen später auf Englandüber und verpflanzten sich seit dem Anfänge dieses Jahrhundertsvorzüglich auch nach Deutschland, erlangten hier aber erst in derNeuzeit den Höhepunkt, welchen sie gegenwärtig einnehmen.
Wenn nun auch theilweise zugegeben werden muss, dass dieAutograp hie eine Liebhaberei zu nennen ist, so möchte sie dochunter allen eine der edelsten und geistreichsten sein, da sie sichdie hohe Aufgabe stellt und ihr Vergnügen, sowie ihren Reizdarin findet, die sichtbaren Reliquien der Gedanken, den Ausflussdes Geistes, die sprechendsten Daguerreotypen des Seelenlebensberühmter, in jeder Beziehung hervorragender Menschen in ihrenSelbstschriften, worin oft eine Zeile treffender charakterisirt alseine umfangreiche Biographie, zu sammeln, zu ordnen und fürdie Nachwelt als selbstredende Denkmale aufzubewahren. Aberauch aus dem Grunde verdient sie eine sorgsame Pflege, weil dieBeschäftigung mit ihr; als einer jüngern Schwester der Geschichte,dem Geiste eine gehaltvolle Nahrung bietet, die historischen undliterarischen Kenntnisse aussergewöhnlich bereichert und die in-tellectuelle Ausbildung ungemein befördert. Nicht minder hat siesich unberechenbare Verdienste um die Geschichtsforschung er-worben. Denn wie manche Begebenheiten, die von sonst aner-kannten Historikern unrichtig aufgefasst in ihre Werke übergin-gen, sind nicht erst später durch aufgefundene Correspondenzenvon Zeitgenossen, welche die sorgsame Hand des eifrigen Samm-lers der muthwilligen Zerstörungssucht entzog, aufgeklärt undan’s Licht der Wahrheit gebracht worden!