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Handbuch für Autographensammler / bearbeitet von Dr. Joh. Günther und Otto Aug. Schulz ; mit Holzschnitten und einer colorierten Tabelle
Entstehung
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10 I. Zur Geschichte der Autographensammlungen.

Nach der Erfindung des Buchdrucks konnte man auf doppelteWeise in den Besitz der Autographen berühmter Leute gelangen, durchAnlegung von Stammbüchern und durch Ankauf von Büchern, in wel-che frühere Besitzer Randglossen und Bemerkungen geschrieben hat-ten. Stammbuch ein dem Andenken geliebter Personen gewidmetesBuch ist ursprünglich so viel gewesen als Geschlechtsbuch der Fa-milien (Liber gentilitius), weil die Stammbücher ursprünglich vonAdeligen (Gentiles) geführt wurden, und erst nach und nach sind dieBezeichnungen Standbuch, Gedenkbuch, Angedenkbuch entstanden.Das Stammhuch der Gelehrten oder Studirenden hat man auch Album,Album amicorum, Philotheca (von cpilwv und Liber mnemo-

nicus, Liber memorialis, Gazophilacium literarium, Armentarium eru-ditum, Musaeum literarium, Theatrum eruditorum , Ara Mnemosynes,Apiarium, Diarium literarium genannt. Der Ursprung der Stammbücherist, wie schon angedeutet, dem Adel zuzuschreiben. Es kam nämlichzuweilen, namentlich bei den Ritterspielen und Turnieren vor, dassder Adel des Einen oder Anderen in Zweifel gezogen wurde. Um nundie Aechtheit desselben zu beweisen, hielten sich die Edelleute Stamm-bäume oder Familienbücher, welchen sie ihre Adelsbriefe und Wap-pen von väterlicher und mütterlicher Seite einverleibten und in die sieauch ein Zeugniss über die Familienverbindung mit ihnen beifügenliessen. Deshalb hat man auch genealogische Werke wirklich Stamm-bücher genannt. Später änderte, erweiterte man sie, erst nachdemZweck der Genealogie, dann nach Wohlgefallen, bis man endlich einbesonderes Vergnügen daran fand, Denkmäler von berühmten Män-nern , Freunden und Gönnern in eigenen Handschriften in einer Samm-lung beisammen zu haben. Auf den Gedanken, sie zum Vergnügenoder zu irgend einem anderen Zwecke einzurichten, scheinen die bür-gerlichen Gelehrten zur Zeit der Reformation gekommen zu sein. Wahr-scheinlich waren sie auch bei ihnen nichts Anderes als Geschlechtsre-gister, welche Nachrichten von Familien gaben mit beigefügten Ge-denksprüchen. Begab sich nun Jemand aus der Familie an einenfernen Ort, so bestimmte er zuvor ein solches Buch, das er seinen El-tern und Verwandten zum Einzeichnen ihres Namens, Standes u. s. w.überreichte, damit, wenn ihn in der Fremde der Tod ereilte, man doch

kungen; eine Sammlung Briefe Voltaires an Madame duCkatelet, in vortrefflicher Handschrift;ein Boccaccio von gleichem Datum mit dem, welchen der Herzog vou Devoushire so theuer be*zahlte, und eine Auswahl von Briefen Heinrich« IV. an die Marquise von Verneuil, vollkommenlesbar und sehr gut erhalten.