IV. Nutzen der Autographen.
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aber ungleich, dünn undunleserlich, so ist der Schreiber launenhaft,verdriesslich, spitzbübisch und faul. Das letztere nämlich, wenn ersich nicht die Mühe geben wollte, besser zu schreiben, in welchemFalle er auch unreinlich ist und das Spiel liebt.“
„Die kleinste Handschrift endlich ist ein Zeichen des Misstrauensund des Geizes. Gewöhnlich bedienen sich alte Leute derselben. WerPapier und Dinte so gewaltig schont, der ist auch gewiss eben so spar-sam in anderen Dingen.“
D. G. Morhof sagt über die Chirographignomik, mit welchersich, seiner Aeusserung nach, schon einige Rabbiner beschäftigt ha-ben 1 : „Ut in verbis ore prolatis, ita et in literis manu exaratis physi-cum aliquid, quod de ingenio ac moribus hominum testetur, latet: ita,ut ars quaedam prognostica inde formata sit.“
J. C. Lavater sagt über den Charakter der Handschriften 2 :„Kann man es nicht als ein Axiom über die menschliche Natur anneh-men — oder steht nicht zu hoffen, dass man es, bei mehrerer Erfor-schung der menschlichen Natur, als ein Axiom annehmen werde:
„In der menschlichen Natur ist kein wahrer Contrast oderWiderspruch.“ —
„So viel ist gewiss: Kein Glied am menschlichen Körper widersprichtdem andern. Keines hebt das andere auf; jegliches ist mit jeglichemzusammenhängend; jedes jeglichem untergeordnet; jedes — wird vonEinem und demselben Geiste bewegt. Jedes ist von der Natur und demTemperamente des andern, obgleich sich dieses Temperament in demeinen mehr, als in dem andern zeigen und äussern mag. Inzwischenhat jedes Glied am Menschen den Charakter des ganzenKörpers— es ist nichts Zusammengeflicktes in der Na-tur. Nur die Kunst schneidet weg und flickt an. Die Unerreichbarkeitder Natur wird immer ihre Ganzheit und Homogenität sein ! Sie setztnichts an; sie schafft Alles aus Einem ; bildet Alles aus Einem her-aus. Die Hand aus dem Arm und mit dem Arm — die Finger aus bei-den und mit beiden . . . die offenbarste, die nichtgefühlteste Wahrheit. . . Fundament abermal aller Physiognomik . . . Siegel der Allbedeut-samkeit aller Theile des menschlichen Körpers — Siegel der grossen,nicht erkannten , erst einem folgenden Jahrhundert aufbehaltenenWahrheit — „dass aus Einem gesunden Gliede, einem rich-