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Handbuch für Autographensammler / Eugen Wolbe
Entstehung
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Philologisch -prähistorischer Vorspruch.

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Mittel übrigbleiben, so spricht auch Cicero von Ersparnissen zwecksAnkaufs seltener und darum wertvoller Manuskripte.

Der Sophist Libanius war gleichfalls ein begeisterter Sammler.Er soll in Athen ein Exemplar der Odyssee aus der Zeit Homers gekauft haben.

Strabo erzählt von einem berüchtigten Autographenmarder,Apellicon von Teos, einem Jünger der peripathetischen Phi-losophenschule, seine Bücherleidenschaft habe ihn verleitet, auseinem athenischen Tempel mehrere Urkunden zu entwenden. Alser wegen dieses Vergehens flüchten mußte, ließ Sulla seine wert-volle Bibliothek nach Rom bringen: unter seinen Bücherbeständensoll sich ein Originalmanuskript von Aristoteles befunden haben.

Eine ganz gewaltige Autographensammlung besaß nachTacitus der Konsul Mucianus . Sie war in vierzehn Bändenaufbewahrt, von denen drei ausschließlich Briefe, die anderen elfVerhandlungsprotokolle interessanter Rechtsfälle enthielten.

Ja, auch der Autographenhandel war im Altertum anscheinendnicht unbekannt, erzählt doch der jüngere Plinius, daß seinOheim zahlreiche Manuskripte besaß, für die ihm Largius Lici-nius 400000 Sesterzen bot (60000 M. nach der Valuta vor demWeltkriege).

Wie gesagt, über alle diese Einzelheiten sind wir nur auf sekun-däre Quellen angewiesen. Da die Römer bekanntlich auf Wachs-tafeln schrieben, so ist anzunehmen, daß die Urhandschriften derAutoren neben den von den Sklaven nach Diktat angefertigten Ab-schriften in den Handel kamen, ohne daß die Käufer dem Erwerbder Originalhandschrift einen besonderen Wert beimaßen.

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