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Handbuch für Autographensammler / Eugen Wolbe
Entstehung
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Erstes Kapitel.

Montaigne (Essais 11,18) spricht sich im Zeitalter derAutographendämmerung über dies Gefühl der Pietät aus:

„Welche Befriedigung würde es mir also gewähren, jemand zuhören, der mir von den Gewohnheiten, den Gesichtszügen, vonder Haltung, von den Lieblingsworten und von allen anderenUmständen meiner Vorfahren erzählte; wie aufmerksam würdeich ihm lauschen! Wahrlich, das würde von einer schlechten Ver-anlagung des Gemütes Zeugnis ablegen, wenn man auch nur diePorträts unserer Freunde und Vorvorgänger, die Form ihrer Ge-wänder und ihrer Rüstungen geringschätzte. Ich bewahre derenSchrift.“

Geschichtskundige Sammler bezeichnen das Autograph gern als„Magd der Geschichtswissenschaft“. Unzweifelhaft stellt eineHandschrift häufig ein wichtiges Hilfsmittel zur wissenschaftlichenForschung dar. Irrtümer und Fehler schleppen sich von Buch zuBuch, bis eine Originalhandschrift die richtige Schreibung auf-zeichnet: der von Voltaire, Rousseau und d’Alembert gefeierteDaguesseau (1722—1794) wurde jahrzehntelang D’Aguesseau undAguesseau, der Astronom De La Lande oft De Lalande und Lalande,Leibniz sehr häufig Leibnitz , Yorck York geschrieben, bis dieVergleichung mit dem eigenhändigen Namenszuge die richtige,oder besser gesagt, die landläufige Schreibweise ergab.

Allerdings ist hierbei zu bemerken, daß es im 17. und 18. Jahr-hundert eine einheitliche Schreibweise, selbst der Eigennamen,nicht gab. Wenn also der Drucker auf das Titelblatt eines Werkes„Leibnitz “ setzte, so hatte der die Korrektur besorgende Ver-fasser hiergegen nichts einzuwenden. Ebenso wenig klammertensich die Urheber sklavisch an die urkundlich überlieferte Schreib-art ihrer Namen: Winckelmannn z. B. ließ etwa vom Jahre1759 ab das c seines Namens weg.

Das Autograph hellt aber auch geschichtliche Tatsachen auf,welche eine allzu subjektive Geschichtsauffassung, Fahrlässigkeitund noch öfters Böswilligkeit entstellten. Es liefert ferner Notizengenealogischer und biographischer Art und Beiträge zur Geschichte,Literatur und Politik. Unzählige Forscher haben die Biographien,