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Erstes Kapitel.
„A Mon Grandmaistre de la Garde robe de Kamecquen.
Lieber Kameken, Derselben schreiben ist mihr durch den gene-ral Auditeur wol eingehändiget worden und habe Ew. wol sein mitVergnügen darauss ersehen, verlange auch Dich baldt wieder zusehen, da Ich Euch dan viel neues sagen werde, aber was alt ist dassich Lebens lang bin
Carlottenburg Ew. Gnädigster König
d. 3 . Juny 1709- Friderich R.
Madame Kamecken grüsset meinetwegen und vergesset michnicht, adieu Lieber Page.“ (Vgl. Abb. 6 .)
Die Durchsicht derartiger schriftlicher Äußerungen aus grauerVorzeit gewährt einen eigenen Reiz. Generationen haben sie pietät-voll aufbewahrt und sich ihres Besitzes gefreut; und wenn sie auclidie Patina des hohen Alters angesetzt haben, so wecken sie injedem Zeitalter neue Freude, wenn sie in den Besitz eines neuenGeschichts- und Altertumsfreundes übergehen.
Die äußere Form der Urkunden hat sich im Laufe der Zeitenerheblich gewandelt. Die Könige des jüdischen Altertums be-stätigten — wie erwähnt — ihre Erlasse durch Untersiegelung.Der Brauch, Urkunden mit dem Namenszug oder einer ihm ent-sprechenden Chiffre zu unterzeichnen, kam erst unter dem Goten-könige Theoderich auf, der zuerst sein Monogramm unter eineUrkunde setzte. Karl der Große versah zuerst ein Dokument nichtnur mit seinem Namenszug, sondern auch mit seinem Titel undeiner Grußformel. Diesen Brauch hatte er den Päpsten seines Zeit-alters abgelauscht, deren Verfügungen in den Wunsch „bene valete“ausklangen. Doch gestatteten sie sich auch manche Abweichun-gen von dieser Formel. Die Monogramme rührten meistens vonSchreiberhand her. Der Monarch beschränkte sich darauf, die erstin Kreuz-, später in immer komplizierterer Quadratform auf-gesetzte Buchstabenverschlingung mit einem Diagonalstrich zudurchziehen. Otto der Große zeichnete: „Otto Imperator Augu-stus“, Kaiser Friedrich Barbarossa: „Fridericus RomanorumImperator Augustus“.