Wie erwirbt man Autographen?
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Sammlerkollegen beim Austausch zu übervorteilen, der macht sichgründlich lächerlich.
Sehr drollig verhalten sich die jungen Leute, welche ihre Pi&cenauf dem Wege unmittelbaren Ersuchens erlangt haben, wenn einernsthafter Sammler sie um Austausch ihrer Dubletten ersucht.Da sie vom tatsächlichenWert von Autographen keine Ahnung haben,so ist ihnen ihr Paul Keller (Begleitzeilen zur Übersendung desgewünschten Autographen) höchstens um einen — Gottfried Keller (ungedrucktes Stammbuchblatt), ihre Selma Lagerlöf (kurzer Entschuldigungsbrief) mindestens um einen Tolstoi feil!
Aber auch erfahrene — oder erfahren sein sollende — Sammlergeben angesichts einer verlockenden Gegenleistung ihre Dubletten
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Abb. 22. Beethoven.
für wahre Raritäten aus. So bot ein Sammler für ein ungedrucktesGedicht von Raimund einen Anzengruber und Friedrich Schlegel — Stücke, die jeder Katalog in mehreren Nummern auf-weist. Als ein anderer Sammler einen Mörike — pc£me a. s.„Frage — und Antwort“ entführen wollte und mit einem Autographvon Max Klinger winkte, unterstrich er den Wert von Klinger-handschriften mit dem Hinweise, für einen sieben Seiten langen eigen-händigen Brief dieses Künstlers — dessen Autograph dem Tausch-freunde noch fehlte — an den Ausschuß zur Errichtung eines Brahms-denkmals in Wien habe ihm ein Händler anstandslos 2000 M. aus-bezahlt. Wirklich, 2000 M. für Klinger? Damals mehr als für einenBrief seines großen Modells Beethoven ?? Ein paar Tage späterwurde dem Tauschfreunde derselbe Klingerbrief, von der Handjenes Sammlers fein säuberlich aufgezogen, für — 300 M. angebotenj