Wie erwirbt man Autographen ?
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der Tausch im großen und ganzen, so bleibt bei einem von beidenTeilen oder auch bei beiden selten die geheime Empfindung aus,daß man doch eigentlich kein sonderliches Geschäft gemacht habe.Soll hingegen jedes Blatt im einzelnen gegen ein gleich wertvollesgetauscht werden, so hat es große Schwierigkeit, einen Maßstabaufzufinden.“
Wenn auch heutzutage die Preisnotierungen bei den Versteigerun-gen eine gewisse Norm für die Bewertung handschriftlicher Tausch-objekte liefern, so löst dennoch die allzu hohe Abschätzung einesin Tausch zu gebenden Stückes in dem Besitzer ein peinliches Ge-fühl geschäftlicher Spekulation aus, auch wenn der Partner dengeforderten, oft viel geringeren Gegenwert gern hergibt. Nur inganz seltenen Fällen decken zwei Tauschobjekte einander wie zwei
Abb. 24.
kongruente Dreiecke: ein Friedrich der Große , 1. a. s., l Seitefol., ist immer einem Bismarck, 1. a. s., 7 Seiten fol., ein Hölder-lin, Stammbuchblatt, immer einem Hauff, 1. a .s., literarischenInhalts, ein J. S. Bach, eigenhändige Quittung, einem Goethe,1. a. s., 1 Seite, gleich. Einen Fritz Reuter für einen Geibel,einen Hindenburg für einen Friedrich Wilhelm III., eineKönigin Luise , 1. a. s., für einen Kaiser Wilhelm I. herzu-geben, bedeutet meistens einen unvorteilhaften Tausch.
Der gangbarste Weg, Autographen zu erwerben, ist ihr Ankaufbeim Händler.
Vor der großen Verschleuderung deutscher Güter in das Aus-land war Deutschland ein an Autographen reiches Land. Der Kreisder Sammler war nicht groß; die Antiquare verfügten über großeVorräte. Infolgedessen war jedes gewünschte Autograph — mitAusnahme von Luther, Simon Dach, Opitz, Chr. Ewald
Wölbe, Autographen. 7