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Handbuch für Autographensammler / Eugen Wolbe
Entstehung
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Zweites Kapitel.

äufgewogen werden. Da hat sich irgend ein Liebhaber in den Kopfgesetzt, alle Wagner-Autographen aufzukaufen, deren er nur irgendhabhaft werden kann; ein anderer macht Studien über Hebbel und erwirbt jede Zeile von der Hand des Dichters; ein dritter zahltTausende für einen Brief Friedrichs des Großen; ein begeisterterMörike-Verehrer legt sein Vermögen in Mörike -Autographen an.

Bis zum Weltkriege waren Handschriften von Theodor Körne rwirkliche Raritäten: ein biederer Sachse hatte alle Körner-Auto-graphen aufgekauft. Als er dann sein kostbares Besitztum ver-äußern mußte, konnte man hübsche, eigenhändige, voll UnterzeichneteGedichte des edlen Freiheitsängers bereits für 45 M. erwerben.

Heine war gleichfalls sehr selten. Die Schwester des Dichters,Charlotte van Embden, hatte der Kaiserin Elisabeth von Österreich eine reichhaltige Sammlung von Heine-Briefen verehrt,die der Kaiser Franz Joseph nach dem Heimgang seiner Ge-mahlin den Erben der (inzwischen verstorbenen) Spenderin wiederzustellen ließ. Sie fanden nunmehr den Weg in die Öffentlichkeit,wie die im Besitz des Heine-Forschers Gustav K arpeles (gestorben1909) befindlichen Heine-Briefe.

Der Sammler werde demnach nicht ungeduldig, wenn eine vonihm gewünschte Berühmtheit nicht gleich im Autograph auf demMarkte erscheint die Zeit wird ihm das Blatt einmal ganz plötz-lich in den Schoß werfen! Es hat sich nämlich gezeigt, daß Spezial-sammler, die sich auf eine einzige Persönlichkeit kaprizieren, sicheines Tages entschließen, ihre Schätze zu veräußern. Eine der-gestalt eintretende Baisse wird dann von den Sammlern mit leb-hafter Freude begrüßt; denn nun können sie die in ihrer Mappeoder ihrem Album klaffende Lücke endlich ausfüllen.

Dem jungen Sammler, der sich entschlossen hat, nach einem be-stimmten System zu verfahren, bereitet die Frage:Wen nehmeich auf? Wen lasse ich aus? nicht geringe Schwierigkeit.

Auch hierzu einige Fingerzeige.

Ist der Sammler bescheiden bemittelt, so mache er es sich zurPflicht, aus allen Kulturgebieten nur die bedeutendsten Namenaufzunehmen. Wer sich diese Beschränkung nicht auferlegt, dem