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Handbuch für Autographensammler / Eugen Wolbe
Entstehung
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Zweites Kapitel.

Bittenfeld oder von der Tann erwirbt, wird sich innerhalbweniger Tage über die literatur - bzw. kriegsgeschichtliche Bedeu-tung dieser Persönlichkeiten unterrichten und sich die einschlägigenbiographischen Daten einprägen. Streifblicke auf Zeit, Beziehungenund Weggenossen dieser Männer helfen ihre Lebensbilder ab-runden. Wem ein Brief, ein Gedicht, ein paar Notenzeilen oder eineZeichnung von der Hand eines Großen dieser Erde in den Schoßfällt, der liest alles mögliche Gedruckte über den Urheber nachund verfügt mit der Zeit über einen ansehnlichen Schatz von spie-lend erworbenen, zusammenhängenden Einzelkenntnissen.

Wo bleiben nun diedii minorum gentium?

Einen Linn 6 , Copernikus oder Newton wird jeder Sammlerfreudestrahlend aufnehmen; ein Blumenbach, Klinkerfuesoder Helmholtz interessiert nur den Fachgelehrten, der die Auto-graphen seiner mehr oder minder berühmten Kollegen wissenschaft-lich verarbeitet. Ludwig Darmstädter hat den Weg gewiesen,wie man Autographen aus den Gebieten der Naturwissenschaftensammelt, sofern ihre Urheber ihre Disziplinen Schritt für Schrittförderten. Allerdings istder Entomologe, der einen neuen Schmet-terling oder Käfer entdeckt hat, noch kein solcher Förderer seinerWissenschaft, daß die Ehre der Aufnahme in eine Autographen-sammlung gerechtfertigt erscheint, ebensowenig wie der Botaniker,der eine Pflanzenart als neu erkannt hat, oder der Physiker, der zuden 98 vorhandenen Glühlämpchen noch eine weitere erfand. Beiden Männern der Feder, des Pinsels und der Radiernadel ist es nochschwieriger, ein Werturteil abzugeben: darf Clauren neben Jean Paul , Streckfuß neben Fontane , Woldemar Friedrich neben Menzel und Skarbina liegen?

Wo ist die Grenze? Wer ist so berühmt, daß er in eine verständ-nisvoll und nicht wahllos aufgebaute Autographensammlung auf-genommen zu werden verdient?

Nicht jeder Professor gehört hinein, der einmal ein dickleibigesgelehrtes Buch schrieb; nicht jeder General, der in leitender Stellungan einem Gefecht teilgenommen, nicht jeder Maler, der ein Bildan eine namhafte Gemäldegalerie verkaufte; nicht jeder Schrift-