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Drittes Kapitel.
Seine Liebe zu den Autographen blieb bis in sein hohes Alter un-gemindert, und noch als Siebziger wußte er bei jedem Stück einGeschichtchen zu erzählen, wie er es erworben und welche ernsteoder heitere Episode sich an seinen Inhalt knüpfte. Wer bei derDurchsicht seiner Mappen über irgendeine von den in ihnen ver-tretenen Persönlichkeiten nicht Bescheid wußte, den belehrteFranck ausführlich über deren Leben und Wirken, wobei er allerleiAnekdoten und Geschichtchen über den bis dahin „Unbekannten“einflocht. Wer seine Schätze hegt und liebt, der weiß die Texteder Autographen auswendig, und seien sie noch so umfangreich.Auch Franck verblüffte die Betrachter seiner Sammelobjekte durchdie Beherrschung des gesamten Materials.
Franck lebte in jener glücklichen Zeit, wo das Autographen-sammeln sich nur auf einen ganz kleinen Kreis Kundiger beschränkteund demgemäß an den Geldbeutel keine besonders hohen An-forderungen stellte. Da selbst kostbare Stücke für — gemessen anden Begriffen der Nachkriegszeit — lächerlich geringe Summen zuhaben waren und andererseits gute Beziehungen auch gute Auto-graphen einbrachten, so war es dem Major ein Leichtes, nur kost-bare Autographen zu kaufen oder zu ersteigern: „Für mittelmäßigeStücke gebe ich keinen Pfennig aus,“ lautete sein Grundsatz, „dielasse ich mir schenken oder tausche ich ein; mein Geld reserviereich für die Koryphäen älterer Zeit.“
Major von Franck war der Typus des vornehmen, gebildetenSammlers, welcher Ritterlichkeit und Wohlwollen mit Vorsichtund Besonnenheit verband. Weit entfernt, sich in seinen Archiv-saal einzusp'nnen, liebte Franck die Natur und durchstreifte gernan leichtem Wanderstabe die.österreichischen Alpenländer. Freilich,lärmende Gesell gkeit, Protzentum und Halbbildung waren ihmebenso verhaßt wie Nachlässigkeit, Unbescheidenheit und Pietät-losigkeit gegenüber den Großen und Hohen dieser Erde.
Von einem blinden Autographensammler, dem ChevalierMarie-Charles de Pougens, berichtet Feuillet de Conches.Geboren 1755 als illegitimer Sohn des Prinzen Conti, erblindete ermit 24 Jahren infolge der Pocken. Dennoch erkaltete sein Eifer