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Drittes Kapitel.
ihm, aus Mangel an Konkurrenten gelang, den langersehntenNovalis zu erwerben!
Übereifrige Sammler kaufen oft aus Besorgnis, der Vorrat anAutographen erschöpfe sich, weil sie das Ausland aufkauft undwertvolle Stücke sich in Museen und Archive hineiriretten.
Demgegenüber ist zu bemerken, daß die Zahl der für derartigeAnkäufe in Betracht kommenden Institute, Bibliotheken, Ge-schichts- und Altertumsvereine verhältnismäßig gering ist und daßdie Stücke, die ins Ausland gehen, auf dem Wege des Verkaufesoder Tausches häufig auch wieder zurückkehren. Wenn auchAutographen niemals „produziert“ werden, wie — mit Ausnahmevon Gemälden, Zeichnungen, Erstdrucken etc. — alle anderenSammelobjekte, so ist der Händler und der kundige Sammler über-rascht, wie viele Autographen aus Familienbesitz, auf Adelssitzenund auch in bürgerlichen Häusern mit Familientradition, all-jährlich auf den Markt kommen! Da gibt es ganze Nester voneigenhändigen Briefen Friedrichs des Großen, der KöniginVictoria , der Helden aus den Freiheitskriegen usw. Daß diePreise sich infolge zeitweiliger Abwanderung wertvoller Stückefür die neuauftauchenden Blätter von der Hand der nämlichenUrheber erhöhen müssen, ist klar.
Wie an anderer Stelle ausgeführt 1 ), sind die auf den Auktionennotierten Preise von so vielen Zufällen abhängig, daß sie in derRegel keine Norm für die tatsächliche Preisabmessung darstellen.Händler, welche nicht bloß ihr eigenes Interesse, sondern in dem-selben Maße das ihrer Kunden im Auge haben — und das sind dieführenden Antiquare in Deutschland — haben auf den Versteige-rungen häufig genug ihrem Unmut über die Skrupellosigkeit Aus-druck gegeben, mit welcher die Reflektanten Stücke mittlerenGrades — wie C. F. Meyer — ins Ungemessene, ja ins Fabelhaftesteigerten.
Wie auf allen übrigen Gebieten des kaufmännischen Lebens,so zieht auch auf dem Autographenmarkte eine Hausse immer eine
) Vgl. Seite 590.