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Handbuch für Autographensammler / Eugen Wolbe
Entstehung
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Fünftes Kapitel.

Goethe als Autographensammler.

ln einer behäbig-bürgerlichen Zeit, die das traute Heim mitseiner behaglichen Wohnlichkeit dem Umherstreifen in der Fremdevorzog und der schlichten Häuslichkeit den Stempel der in ihrschaltenden Persönlichkeit aufprägte, hat Goethe sein WeimarerHaus zu einem wahren Museum ausgestaltet. Sein Universalgenie,das die verschiedensten und entlegensten Kulturgebiete umfaßte,suchte freilich, wie überall, so auch in seinen Sammelobjekten inerster Linie wissenschaftliche Zusammenhänge festzustellen; daßihr Betrachten außerdem ein ästhetisches Wohlbehagen in ihmauslöste, steigerte seine Sammelfreudigkeit, die in der zweitenHälftes eines Lebens den Charakter einer solchen Leidenschaft ge-wann, daß er zum Erwerb seiner Kostbarkeiten nicht selten einDarlehn aufnahm.

Ob Goethe bereits in seiner Jugend Gegenstände aus der Naturoder Merkwürdigkeiten literarischer, künstlerischer oder verkehrs-technischer Natur zusammentrug, ist nicht bekannt. Ohne Zweifelhätte seine Korrespondenz, die er in den Jahren 1779 (»alle altenSchalen) und den Rest 1797 (»aus entschiedener Abneigunggegen Publikation des stillen Ganges freundschaftlicher Mitteilung)vernichtete, mancherlei Aufschluß über derartige Neigungen ge-geben. Es ist aber mit Sicherheit anzunehmen, daß er sich bereitsin seiner frühen Jugend eine Pflanzen- und eine Mineraliensammlunganlegte und diese bis in sein hohes Alter fortsetzte. So nur ist es zuverstehen, daß seine Steinsammlung mit der Zeit auf 18000 Stückanschwoll, während seine Herbarien zuletzt 12000 verschiedenePflanzen aufwiesen.