Goethe als Autographensammler.
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Durch die bereitwillige Vorlegung seiner Bildersammlung hatteGoethes Vater in dem Knaben schon frühzeitig den Sinn für dieSchönheit und Ebenmäßigkeit zeichnerischer Darstellung und dieLust an der Zusammentragung von Kupferstichen und Hand-zeichnungen geweckt. Als sich der junge Goethe im Mai 1775 aufder Schweizer Reise in Zürich aufhielt, weihte ihn Lavater indie Geheimnisse der Physiognomik ein, aus deren Studium demjungen Dichter die Vorliebe für das Porträt erwuchs. Tausendevon Zeichnungen, darunter etwa 1500 von seiner eigenen Hand,füllen seine Sammelmappen. Persönlichkeiten, die er schätzte,ersuchte er um ihre Bilder; besaßen sie keine, so schickte erihnen seinen „Hofmaler“ Schmeller ins Haus. Beispielsweisewurde der jugendliche Karl von Holtei dieser Ehre gewürdigt,„damit wir auch Ihr Bildnis in guter Gesellschaft bey uns be-wahren“.
Die Beschäftigung mit dem deutschen Mittelalter führte zu einerSammlung von Steindrucken Dürerscher Federzeichnungen; dasAltertum ließ in dem Dichter die Lust am Sammeln von Ringenmit geschnittenen Steinen sowie von Abgüssen griechischer Münzenreifen. Seiner Knochensammlung, die ihm sein Studium der ver-gleichenden Anatomie erleichterte, ist seine Sammlung von Pla-stiken und — was uns hier am meisten interessiert — seine Auto-graphensammlung anzureihen.
Erst „in späten Jahren“ hat Goethe seine Sammlung ange-fangen, und zwar in der Absicht, seinen Sohn August „auf vor-zügliche Männer, gleichsam unmittelbar und gegenwärtig, aufmerk-sam zu machen“ (Brief an Jos. Albr. Albers vom 11. Januar 1814).
Die erste Äußerung dieser Lust am Autographensammeln spie-gelt eine Niederschrift in den „Annalen “ unter 1800 wider. Darinschreibt der Dichter:
„Ebenso wurde die Sammlung von eigenhändig geschriebenenBlättern vorzüglicher Männer beträchtlich vermehrt. Ein alpha-betisches Verzeichnis des handschriftlichen Besitzes war gedruckt;ich legte solches jedem Briefe an Freunde bei und erhielt dadurchnach und nach fortdauernde Vermehrung.“