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Fünftes Kapitel.
Auffällig ist die Tatsache, daß für Goethe, dem Mittel uiid Wegezur Erlangung der wertvollsten Autographen zur Verfügung stan-den, nicht — wie für die großen Sammler von heute — der einzig-artige Inhalt eines Stückes in erster Linie in Betracht kam: fürden Meister, den der Grundsatz leitete: „mit Verstand wählen undsich mit wenigem Guten begnügen“, war das geistige Band maß-gebend, das ihn mit den Urhebern seiner Autographen verknüpfte.Demgemäß war ihm jeder Sammlungsbeitrag recht, gleichviel, obes sich um den Brief Blüchers vom Schlachtfelde an der Katzbachhandelte, welchen ihm Fürst Hardenberg verehrte, oder auchnur um einen einfachen Briefumschlag, den er sich von der GräfinO’Donell (d. d. 28 . August 1812 ) erbat.
Von der Hand seines Freundes Zelter ist ihm gleichfalls eineinfaches Kuvert willkommen.
„Ist das nicht ein Mensch, dem es groß und frei zu Sinne war,als er die Adresse schrieb,“ fragte er Eck er mann, als er sich vondiesem einen bloßen Briefumschlag vom Pult herüberreichen ließ.„Wem möchten Sie die Hand Zutrauen?“ Eckermann betrachtetedas Blatt mit Interesse, indem er die Schriftzüge tatsächlich als„sehr frei und grandios“ feststellte.
„Merck könnte so geschrieben haben“, mutmaßte Eckermann.
„Nein,“ sagte Goethe , „der war nicht edel und positiv genug.Es ist von Zelter. Papier und Feder haben ihn bei diesem Kuvertbegünstigt, so daß die Schrift ganz seinen großen Charakter aus-drückt. Ich will das Blatt in meine Sammlung von Handschriftenlegen.“ —
Es ist eine alte Erfahrung, daß berühmte Persönlichkeiten, denendas Autographensammeln eine Quelle der Gemütserhebung erschließt,und die ihren Bekannten gegenüber den Weg persönlicher Bittenicht scheuen, die diesbezüglichen Wünsche anderer Sammler durch-aus nicht ablehnen.
Auch Goethe hat jedes einigermaßen begründete und glaubhafterscheinende Autographengesuch erfüllt, sei es, daß er sich inStammbücher eintrug, sei es, daß er brieflich geäußerte Bittenmit eigenhändigen Denksprüchen oder kleinen Gedichten beant-