Die Kataloge.
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Im Desideratenkatalog werden die Namen derjenigen Persön-lichkeiten verzeichnet, deren Autographen man noch zu besitzenwünscht. Hierbei ist eine gewisse Beschränkung vonnöten: bei derSammlung von Autographen deutscher Dichter, Schriftsteller undGelehrter wird man kaum vor der Reformation, bei dem Spezial-gebiet „Fürsten und Feldherren“ nicht vor Kaiser Maximilian I. ,dem „Letzten Ritter“, beginnen können, weil die Monarchen vorihm statt mit ihrer Unterschrift nur mit einem Monogramm, einemHandmal Unterzeichneten, das obendrein in gar manchen Fällenvon der Hand des Sekretärs herrührte!
Da der Sammler — auch derjenige größten Stils — jederzeitgenau weiß, welche Namen in seiner Sammlung noch nicht ver-treten sind, so stellen die Versteigerungskataloge der Antiquariatezugleich den Desideratenkatalog des Sammlers dar: der Einfachheithalber empfiehlt es sich, sogleich beim Empfang eines solchen ge-druckten Kataloges die noch fehlenden und daher ersehnten Stückeam Rande anzumerken.
Einen selbst angelegten Desideratenkatalog, der nur die nochfehlenden Namen aufweist, lege man von Zeit zu Zeit dem Händlervor: manchmal hat er zufällig das eine oder andere gewünschteStück auf Lager und gibt es rasch entschlossen preiswert ab, bevorer’s in den nächsten Lagerkatalog aufnimmt. Ist es freilich füreinen Versteigerungskatalog bestimmt, so wird der Preis natürlicheher etwas höher als zu niedrig ausfallen.
Wenn auch der Händler den materiellen Vorteil in erster Linieim Auge hat, so löst dennoch die Erfüllung des Sammlerwunschesin ihm dieselbe Freude aus, die der Autographenfreund beim Emp-fang eines bis dahin schmerzlich vermißten Stückes empfindet.Den Nichtsammler allerdings, der Autographen schenkt, geht dieseDesideratenliste nichts an: wenn er sieht, daß die Namen, die erbeisteuern kann, in der Liste fehlen, nimmt er von ihrer SpendungAbstand und entzieht dadurch dem Sammler — Dubletten.
Welche Stücke rechnen wir eigentlich zu den Desideraten?
Wenn wir z. B. Holt ei in einem nichtssagenden Briefe besitzen,.statt dessen aber ein hübsches Gedicht oder ein kennzeichnendes
Wölbe, Autographen.
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