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Neuntes Kapitel.
Spezialforscher, welche über eine bestimmte Persönlichkeit arbeiten,ersuchen in der Presse um leihweise Überlassung von etwaigem,diese Persönlichkeit betreffenden Material. Der Besitzer umfang-reicher Briefsammlungen weiß nun zwar die Namen seiner be-rühmten Adressaten auswendig; alle die mehr oder minder un-bekannten Briefschreiber zu behalten, ist nicht möglich. Und dabeisind deren Briefe oft inhaltlich wertvoller, als die Antworten — oderAnfragen — der Berühmtheit. Man denke an die Ablehnungenvon Verlagsanerbieten, an die Zuschriften von Jugendfreunden,die ihren berühmt gewordenen Altersgenossen an das ferne Ehemalsihres gemeinsamen Jugendlandes erinnern, Liebes- und Absage-briefe usw.
Es empfiehlt sich daher, diese Namen der Briefschreiber alpha-betisch zu katalogisieren. Fischer von Röslerstamm rät, in diesenKatalog auch jeden berühmten Mann, jede geistige oder politischeBewegung, jedes bedeutungsvolle Zeitereignis, von denen in Briefengeistig oder historisch hochstehender Menschen die Rede ist, auf-zunehmen. Als Beispiel nennt er einen in seiner Sammlung befind-lichen Brief von Varnhagen an Windischmann, betreffend denMediziner Schönlein. An keine dieser drei Persönlichkeiten knüpftsich ein besonderes Interesse. Der Briefschreiber exemplifiziertaber an Schönlein das Wesen des echten Arztes, so daß der Briefden Abdruck in einer Fachzeitschrift verdient. Gibt man Briefedieser Art weg, so versäume man nicht, sich Abschriften zurück-zubehalten, da in vielen Fällen dem Herausgeber einer wissenschaft-lichen Briefsammlung schon eine Kopie genügt.
Der Katalog Bovet bezeichnet den hier gekennzeichnetenAdressatenkatalog als „Table analytique“. In alphabetischerReihenfolge werden die Briefschreiber registriert. Es folgen dieAdressaten, gleichfalls alphabetisch, sowie Mitteilungen über dasVorkommen berühmter Namen in den einzelnen Stücken der Samm-lung. Die Herausgeber des Bovet-Kataloges haben aber auch dasNachsuchen über gewisse Themata erleichtert. So finden sich unterdem Stichwort „Allemagne “ 33 Hinweise, unter „Autographes“9 Briefe, in denen Handschriften in unserem Sinne erwähnt werden.